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Alte Geschichte

Den Gegenstandsbereich der Alten Geschichte bilden die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes und Mitteleuropas. Antike (lat. antiquus, anticus = alt, ehrwürdig) ist ursprünglich kein Epochenbegriff, sondern ein Wertbegriff, der in Auseinandersetzung mit den Schriften lateinischer und griechischer Autoren entstand: Als antiqui bezeichneten sich im Unterschied zu den moderni im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit diejenigen unter den Philosophen, die sich in erster Linie auf lateinische und griechische Autoren bezogen. In der langen Geschichte der Antikenrezeption ist dieser Wertbezug nie ganz verloren gegangen. Ob die Vorbildhaftigkeit und Normativität der Antike oder ihre Fremdartigkeit beschworen wurde, hing immer von der jeweiligen Perspektive des Betrachtenden ab. Zeitlich und räumlich umfasst die Antike im weiteren Sinne die Geschichte der vorderorientalischen Stromtalkulturen vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis zum Untergang des weströmischen (500 n. Chr.) und Aufstieg des oströmischen (byzantinischen) Reiches. Ihrer Erforschung widmet sich die Altertumswissenschaft, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts in zahlreiche Teildisziplinen wie Alte Geschichte, Römisches Recht, Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Provinzialrömische Archäologie, Byzantinistik, Klassische Philologie, Mykenologie, Indogermanistik, Altorientalistik (Assyriologie, Hethitologie), Vorderasiatische Archäologie sowie Ägyptologie ausdifferenziert hat. Als Kerngebiet der Alten Geschichte gilt die Zeit von der Entstehung des griechischen Stadtstaates ab dem 8. Jh. v. Chr. bis zum Untergang des weströmischen Reiches. Innerhalb der Alten Geschichte existieren unterschiedliche systematische Schwerpunktsetzungen, die von der politischen Ereignis- und Verfassungsgeschichte über die Wirtschafts- und Sozialgeschichte zur Neuen Kulturgeschichte reichen.


In Hannover wird Alte Geschichte im Rahmen der Geschichtswissenschaft gelehrt. Das Lehrangebot ermöglicht auch den Erwerb von alten Sprachen (Altgriechisch, Latein) sowie von archäologischen Kenntnissen. Die Beschäftigung mit antiken Kulturen erfolgt hier bevorzugt unter einer historisch-anthropologischen Perspektive. Diese ist im Spannungsfeld zwischen lebensgeschichtlicher Rhythmik und allgemeiner historischer Chronologie, zwischen Struktur und Handlung, Gesellschaft und Individuum anzusiedeln. Anders als die traditionelle Politik- oder Sozialgeschichte zielt die Historische Anthropologie nicht auf die Rekonstruktion von Ereignissen, Prozessen oder Strukturen, sondern auf die Ermittlung von Formen und Bedingungen, unter denen politisches, militärisches, soziales oder wirtschaftliches Handeln stattfand. Kleine gesellschaftliche Einheiten (Haushalte, Dorfgemeinschaften, verwandtschaftliche Netzwerke, Korporationen etc.) sowie die Lebensrhythmen und Erfahrungen des Einzelnen, von Männern wie Frauen, von Freien wie Unfreien, von Jung und Alt, stehen deshalb im Mittelpunkt des Interesses. Inhaltliche Schwerpunktsetzungen bilden die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte, die Wissenschaftsgeschichte, die althistorischen Gender Studies sowie die Politik- und Militärgeschichte (Machtkonstellationen in der Mittelmeerwelt). Hinzu kommt ein Schwerpunkt zur Antikenrezeption in modernen Medien (Buch, Filme, Internetpräsentationen, Computerspiele etc.).


Kooperationen, die dieser historisch-anthropologischen Perspektive Rechnung tragen, bestehen auf lokaler, nationaler (Herausgeberschaft der Zeitschrift Historische Anthropologie) und internationaler Ebene. In Kooperation mit dem Museum August Kestner wurde 2005 unter dem Titel Antike (un)klassisch die Vortragsreihe "Hannoversche Altertumswissenschaftliche Vorträge" eingerichtet. Forschungskooperationen bestehen mit The Danish National Research Foundation's Centre for Textile Research (CTR), Kopenhagen, das der Erforschung antiker Textilien in ihrer kulturellen wie wirtschaftlichen Bedeutsamkeit gewidmet ist, sowie mit der Forschungseinrichtung ANHIMA (Anthropologie et Histoire dans les Mondes Anciennes), Université I Panthéon-Paris, Paris. Weitere Kooperationen bestehen auf dem Gebiet auswärtiger und interkultureller Beziehung (zwischen Imperium Romanum und Barbaricum) mit der Society for the Promotion of Roman Studies und der Frühgeschichtlichen Kommissionen der Österreichischen, Slowakischen und Tschechischen Akademien der Wissenschaften sowie auf dem Gebiet der Mediengeschichte über die Mitgliedschaft in der internationalen Arbeitsgemeinschaft Geschichte und EDV (AGE) und über die Mitherausgeberschaft in der Reihe Computer und Antike unterhalten.

Hauptamtlich Lehrende