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Neuere und Neueste Regionalgeschichte

wird in Hannover verstanden als die Geschichte definierter Räume zur Untersuchung komplexer historischer Prozesse. Damit werden Regionen als durch menschliches Handeln konstituierte räumliche und soziale Strukturen angesehen. Regionen sind dabei nicht unbedingt vorgegebene territoriale Einheiten, sondern können aus forschungspraktischen Fragen ebenso konstruiert werden wie in der Lebenswirklichkeit der historischen Akteure. Sie standen dabei immer in einem transnationalen und transregionalen Austausch. Niedersachsen bietet hierfür viele Beispiele, seien es die Hollandgänger, die Leinenweberei in vorindustrieller Zeit oder Unternehmen, deren Absatzmärkte nicht selten in Übersee lagen.

Zudem folgt eine moderne Regionalgeschichte den regionalen Akteuren. Die aber machen nicht an Landesgrenzen halt, sondern agieren in einem weiten räumlichen Kontext. Niedersächsische Auswanderer lebten etwa in den USA, nordwestdeutsche Missionare nahmen ihre in niedersächsischen Dörfern entwickelten Vorstellungen vermeintlich „richtiger“ Lebensweise mit nach Afrika. Zuwanderer kamen insbesondere seit dem 19. Jahrhundert aus vielen europäischen Gebieten.

Themen der Regionalgeschichte bilden zudem regionale „Entwicklungspfade“ während der Industrialisierung, agrarhistorische Aspekte (von frühneuzeitlichen Strukturen über die Reformen des 18. und 19. Jahrhunderts bis zu Entwicklungen im 20. Jahrhundert), die Geschichte von Dörfern, die Migrationsgeschichte sowohl einzelner Personen als auch ganzer Gruppen. Die Neuere Regionalgeschichte reicht zeitlich von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in das 20. Jahrhundert. Damit bietet sie wichtige Verbindungen insbesondere zur frühneuzeitlichen, aber auch zur allgemeinen deutschen und europäischen sowie zur außerdeutschen Geschichte.

Ein weiteres Element der in Hannover betriebenen Regionalgeschichte ist deren hoher Praxisbezug, der sich sowohl in zahlreichen regionalen Projektseminaren der letzten Jahrzehnten niederschlägt als auch in einer engen Kooperation mit einer Reihe regionaler wie überregionaler Museen.

Hauptamtlich Lehrende