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Lehre & Forschung von Dr. Sebastian Kühn

Forschungsinteressen:

 

  •   Geschichte der Frühen Neuzeit; England, Frankreich, Deutschland

  • historische Anthropologie, Sozialgeschichte, Kulturgeschichte des Politischen

  • Wissenschaftsgeschichte/Geschichte von Gelehrtenkulturen

  • Aktuelles Forschungsprojekt: Dienerschaft in hofadligen Haushalten in politischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen

 

DFG-Projekt:

 

Die Macht der Diener. Hausdienerschaft in hofadligen Haushalten, Preußen und Sachsen, 16.-18. Jahrhundert

Höfisches und adliges Leben war zu weiten Teilen geprägt von der Tatsache, dass Diener und Gesinde anwesend waren. Deren Kennzeichnung als reine Funktionsträger innerhalb der höfischen Gesellschaft und der Höflingshaushalte steht in auffallendem Widerspruch zur methodischen Herangehensweise an Handlungen von Hofadligen. Entsprechend werden diese subalternen Akteure in Definitionen und Beschreibungen der höfischen Gesellschaften meist ausgenommen. Ausgangspunkt dieses Projekts ist die Überlegung, dass die hierarchieübergreifende, asymmetrische Nahbeziehungen zwischen Dienerschaft und Herrschaften die frühneuzeitliche Gesellschaft wesentlich prägten, aber beständig zwischen den Beteiligten ausgehandelt wurden bis zu dem Punkt, an dem die Hierarchien unklar werden konnten. Das Projekt untersucht dabei die höfische Konstellation, genauer: die Interaktionen zwischen Hofadel und seiner Hausdienerschaft. Im Fokus stehen damit, verkürzt ausgedrückt, die Diener der Diener des Herrschers. Damit ist das Herrschaftszentrum von seinen vermeintlichen Rändern her anvisiert, exemplarisch untersucht an den Höfen in Brandenburg-Preußen und Kursachsen. Mit dieser Ausrichtung werden drei Ziele verfolgt. Zum einen sollen Dienstverhältnisse als eigenständiges aber heterogenes Modell einer sozialen Nahbeziehung analysiert werden, das in historisch-anthropologischer Hinsicht wesentliche Aussagen über die Funktionsweise frühneuzeitlicher Gesellschaften als Dienstbarkeitsgesellschaften erwarten lässt. Zum anderen zielt die dezentrierende Thematisierung der Beziehungen vom vermeintlichen Rand der höfischen Gesellschaft auf eine Erweiterung der höfischen Konfiguration. Diese soll im Sinne einer erweiterten Kulturgeschichte des Politischen geöffnet werden. Das Projekt zielt damit, drittens, auf eine Historisierung politischer Handlungsräume und auf eine Neuformulierung des Begriffs und der Praktiken des Politischen mit erweiterten Gruppen von Akteuren. Über die systematische Untersuchung der Dienerschaft und ihrer Beziehungen wird so eine relationale Geschichte der Macht in der frühneuzeitlichen Gesellschaft insgesamt angestrebt.