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Die Frühe Neuzeit

verstanden als Zeitabschnitt zwischen dem ausgehenden 15. und dem beginnenden 19. Jahrhundert ist eine vielschichtige Übergangsepoche zwischen Mittelalter und Neuzeit. Mitunter als „Vormoderne“ bezeichnet, können frühneuzeitliche Gesellschaften aus historisch-anthropologischer Perspektive aber auch als „fremde“, unvertraute und differente Welten angesehen werden, deren Besonderheiten es erst zu entschlüsseln gilt. Die Geschichte der Frühen Neuzeit ist inhaltlich und theoretisch-methodisch deshalb ein experimentierfreudiges Feld. Kulturwissenschaftlich justierte politik-, sozial-, rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Forschungsbereiche gehören ebenso zu einer avancierten Frühneuzeitgeschichte wie alltagsgeschichtliche Themen, Gegenstände der Geschlechterarrangements, der Religionen und des Glaubens oder der Migrationen und Transfers. Andere Bereiche wie umwelt- und klimageschichtliche Schwerpunkte zählen inzwischen ebenfalls zum gängigen Repertoire zur frühneuzeitlichen Geschichte.

Die mit kategorialen Verschiebungen verbundenen Neu - und Umorientierungen in den Kultur- und Geschichtswissenschaften der letzten Jahre sind in Forschung und Lehre zur Frühen Neuzeit fest verwurzelt. Hiervon ausgehend konnten und können immer wieder neue Forschungsfelder erschlossen werden. Hierzu zählen z.B. Organisations-, Körper-, Bewegungs- oder Beziehungsgeschichte, die Geschichte von Gefühlen und Passionen, Familie und Verwandtschaft, biografisch-geschichtliche Forschungen im Kontext der neueren Selbstzeugnisforschung oder Themen, die wie Gewalt, Macht und Herrschaft in ihrer Alltäglichkeit im wahrsten Sinne des Wortes omnipräsent sind.

Die Globalisierung mit ihren weltweit ausgreifenden Folgen hat auch die Geschichte der Frühen Neuzeit vor besondere Herausforderungen gestellt. Denn historisch und kulturell definierte Schlüsselkonzepte wie z.B. Nationen und Staaten mitsamt ihren kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen, ethnischen, religiösen und politischen Folgen können als das Resultat langfristiger historischer Wandlungsprozesse angesehen werden, wie sie sich in der Zeit zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert formiert haben. Die Geschichte der Frühen Neuzeit ist deshalb in vielen Bereichen eng mit wissens- und wissenschaftsgeschichtlichen Fragestellungen verknüpft.

Ein besonderes Kennzeichen der Frühneuzeitgeschichte am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover liegt in der auf Räume und Regionen bezogenen Forschung und Lehre, die, vor Ort praktiziert, zugleich überlokal und überregional Bezüge eröffnet. Bei aller epochalen und disziplinären Expertise wird dabei der Kooperation mit anderen Disziplinen, Fachgebieten und Epochen große Bedeutung beigemessen.

Die Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar unterhält weltweit mit verschiedenen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen Kooperationen. An dieser Stelle seien die Forschungskooperationen mit den Universitäten Wien und der University of Western Australia/ Perth besonders hervorgehoben. Vor Ort arbeitet der Bereich Frühe Neuzeit vor Ort eng mit Archiven und Museen zusammen; es sind vor allem solche projektbezogenen Arbeitskontexte, die Studierenden schon während ihres Studiums Chancen für erste Orientierungen in möglichen späteren Berufsfeldern eröffnen. Dieses lokal platzierte Engagement des Fachgebietes „Frühe Neuzeit“ in der praktischen Forschungsarbeit bildet sich in Form federführender Mitarbeit in der universitätsweiten Forschungsinitiative TRUST ab. Auf Ebene des Seminars werden darüber hinaus intensive Kontakte zur Neueren und Neuesten Regionalgeschichte gepflegt (siehe Prof. Karl-Heinz Schneider).

Hauptamtlich Lehrende