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Dr. Christian Helm - Forschung / Research

Research Interests

  • Contemporary History of Latin America
  • Transnational Solidarity Movements
  • Social Movements in Latin America
  • Tourism History

Dissertationsprojekt:
(for English version see below)

Botschafter der Revolution. Das transnationale Kommunikationsnetzwerk zwischen FSLN und bundesdeutscher Nicaragua-Solidarität (1977-1990)

Die sandinistische Revolution führte zwischen 1977 und 1990 weltweit zum einem Boom transnationaler Solidarität mit Nicaragua. Allein in der damaligen Bundesrepublik traten zeitweise über 300 Gruppen aus dem gesamten linken Spektrum öffentlichkeitswirksam für die Ziele und Anliegen der Sandinisten ein.

Ein Schlüssel zum Verständnis dieses Phänomens liegt im erfolgreichen Aufbau eines transnationalen Netzwerks, über das Informationen, mentale Bilder und Aktivisten zwischen beiden Ländern zirkulieren konnten. Besonders die Vorstellungen, die unter den Solidaritätsbewegten zu Nicaragua kursierten entfalteten ein enormes Identifikations- und Motivationspotenzial. Neben den soziopolitischen Reformen der Revolution spielte dabei vor allem der Konflikt zwischen den Sandinisten und der Reagan-Administration eine wichtige Rolle, dessen Wahrnehmung die Sympathien und Solidarität unter den oftmals amerika-kritischen Aktivisten weiter stärkte. An der Konstruktion solcher Bilder und Projektionen waren die Sandinisten durch ihre intensive transnationale Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich beteiligt. Mit neuen Praktiken der Solidarität, wie z.B. der Projektförderung oder den Solidaritätsbrigaden, ermöglichten sie den Aktivisten zudem, Nicaragua und seinen revolutionären Prozess selbst zu erleben, daran teilzuhaben bzw. seine Gefährdung durch die Politik der US-Regierung persönlich zu erfahren. Dadurch förderten die Sandinisten erfolgreich die Identifikation mit der Revolution und schufen attraktive Formen eines Zugehörigkeitsgefühls während sich viele Aktivisten in der Bundesrepublik als eine politisch machtlose Minderheit wahrnahmen. Die Dynamik der Solidarität und ihrer Vorstellungsbilder, lässt sich also ohne den zeitgenössischen Kontext der Bundesrepublik und Nicaraguas bzw. Zentralamerikas kaum erklären.

Untersuchungsgegenstände des Projektes sind sowohl die mentalen Leitbilder von Nicaragua als auch das transnationale Kommunikationsnetzwerk und die Praktiken der Solidarität über welche diese Bilder konstruiert wurden. Auf der Basis von Archivrecherchen in Deutschland und Nicaragua, legt das Projekt den Fokus auf die transnationalen Strukturen der Solidarität mit Nicaragua und besonders auf die agency nicaraguanischer Akteure, um Unterstützung für ihre Revolution zu generieren und über mehr als zehn Jahre aufrechtzuerhalten.

Kontakt: Christian Helm

PhD Research Project: 

Ambassadors of the Revolution. The Transnational Communication Network between FSLN and the West German Solidarity Movement (1977-1990)

Sandinista Nicaragua and its revolution generated worldwide solidarity during the 1980s. In West Germany, Nicaragua solidarity was one of the broadest, long-term solidarity movements during the Cold War. There were at times over 300 autonomous local solidarity groups, which disseminated information, raised funds and staged protest against foreign policy hostile to Nicaragua. Despite the ideological heterogeneity of West German Nicaragua solidarity, its activists were united in their common efforts to support the Sandinista revolution. What drove them to identify with the cause of a small Central American country, little known by most of the activists before the late 1970s?

The solidarity movement’s image of Nicaragua offers a key to a better understanding of this phenomenon. The activists’ perception of Nicaragua sustained their commitment to and identification with the Sandinista revolution. These projections not only reflected the personal and political desires of West German supporters, but were themselves fostered by the Sandinista government and its policy towards sympathising activists. By promoting their reform policies through a transnational communications infrastructure, by practising cultural and public diplomacy as well as by playing host to thousands of visitors, the Sandinistas encouraged supporters to identify with the revolutionary process and feel part of it at a time when many activists felt like an isolated leftist minority in the Federal Republic.

Based on archival research in West Germany and Nicaragua, the project puts a special focus on the transnational structures of solidarity with Nicaragua and on the agency of Nicaraguan actors in order to generate, maintain and foster solidarity with their revolution.

Contact: Christian Helm