Die argentinische Historikerin Prof. Dr. Marina Franco von der Universidad de San Martín (UNSAM), Buenos Aires, ist international anerkannt für ihre Arbeiten zu politischer Gewalt und Menschenrechtsverletzungen im südlichen Lateinamerika. Sie wurde mit dem Friedrich Wilhelm Bessel Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung ausgezeichnet, der mit 60.000€ dotiert ist. Herausragend sind ihre historigraphischen und epistemologischen Arbeiten zur umkämpften Erinnerung an Repression und Gewalt, zu Menschenrechten, der gesellschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit sowie ihre Beiträge zu gegenwärtigen Prozessen politischer Gewalt in demokratischen Gesellschaften. Mit ihrem innovativen wissenschaftliches Werk zählt sie zu den bedeutendsten Expertinnen für lateinamerikanische Zeitgeschichte. Sie ist Gast von Prof. Dr. Christine Hatzky am Historischen Seminar. Prof. Franco ist bis Oktober 2026 in Hannover, ein zweiter Aufenthalt an der Leibniz Universität ist für Sommer 2027 geplant.
Ihre Forschungen zur geheimen militärischen Haftanstalt ESMA (Escuela de Mecánica de la Armada) in Buenos Aires waren entscheidend für die Aufnahme der ESMA-Gedenkstätte in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes im Jahr 2023. Die ESMA war das bedeutendste illegale Vernichtungslager der letzten argentinischen Diktatur, in dem zwischen 1976 und 1983 Tausende von „Verschwundenen“ entführt und ermordet wurden. Francos Arbeiten haben wesentlich zum Verständnis von gesellschaftlichen Gewaltprozessen beigetragen, die auch in demokratischen Gesellschaften zu extremer Gewalt führen können, sowie zur sozialen Konstruktion einer gewaltvollen Vergangenheit.
In Deutschland wird Prof. Franco ihre vergleichenden Forschungen zu massiver staatlicher Gewalt in unterschiedlichen Weltregionen voranbringen.