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Deutsche und Europäische Zeitgeschichte

wird in Hannover als ein historischer Zeitraum betrachtet, der nicht nur die klassischerweise als Zeitgeschichte verstandene „Epoche der Miterlebenden“ umfasst, sondern als Epoche, die das „lange zwanzigste Jahrhundert“ einschließt, seit Beginn der Hochmoderne um 1880/90 bis etwa 2000/2010. Nach diesem Verständnis übergreift das Fachgebiet die Zäsuren zweier Weltkriege und mehrere politische Systemwechsel und beschreibt eine Epoche, die durch zunehmende Wechselwirkungen von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur sowie durch transnationale Verflechtungen gekennzeichnet ist. Diesen – auch als das Jahrhundert der Bilder – gekennzeichneten Zeitraum unter den Begriff der Zeitgeschichte zu subsumieren, scheint uns insofern sinnvoll und vertretbar, als er sich im historischen Gedächtnis unserer Gegenwart vom Kontinuum vorangegangener Jahrhunderte klar abhebt, weil er medial anhaltende Präsenz hat.

In ihren Forschungen und Lehrveranstaltungen sind die Dozentinnen und Dozenten der Deutschen und Europäischen Zeitgeschichte bemüht, den Veränderungen und Wechselwirkungen von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur im vorgenannten Zeitraum am Beispiel konkreter historischer Problemstellungen nachzugehen. Die Studierenden sollen lernen, wie und unter welchen Einflüssen sich im Verlaufe jener Jahrzehnte die Produktions- und Arbeitsbedingungen, die Lebensverhältnisse und Wahrnehmungsweisen von Individuen und Gemeinschaften änderten und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es dabei im europäischen Vergleich gab. Es wird gefragt, welche Folgen und Wechselwirkungen die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft für Politik und Kultur hatte.

Diese Transformation veränderte die Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft ebenso wie den Stellenwert von Unternehmen und Wirtschaft, sowie von Religion und Staat. In der Zeitgeschichte geht es im vorher beschriebenen Sinne um das Ende der Imperien und Kolonialreiche, den Wandel der Bedeutung von Nation und Region und die Entstehung supranationaler Organisationen, um Ursachen und individuelle wie kollektive Folgen von Krieg und Friedensschlüssen, um die Akzeptanz und Tabuisierung von Gewalt, das Verhältnis von Minderheiten und Mehrheiten, um Verfolgung, Vertreibung und Genozide, um Aufstieg und Niedergang von Ideologien, um Medialisierungsprozesse , um die Herausbildung von Konsum- und Wissensgesellschaften und um Individualisierung und Pluralisierung von Lebenswelten.

Nicht zuletzt geht es jedoch auch um den Wandel geschichtswissenschaftlicher Deutungskonzepte. Denn auch die Geschichtswissenschaft hat im Verlaufe der hier behandelten Epoche bedeutende theoretisch-konzeptionelle Veränderungen durchgemacht. Seit den 1990er Jahren haben nationale Geschichtsbilder zugunsten globalgeschichtlicher Deutungen und einer auch durch die Methodenvielfalt gekennzeichneten Pluralisierung des Fachs an Überzeugungskraft verloren. Im Rahmen von Lehrangeboten zur Theorie und Geschichte der Geschichtswissenschaft werden auch diese Veränderungen der Geschichtskultur im europäischen Kontext untersucht. Nahezu alle im Modulkatalog der einzelnen geschichtswissenschaftlichen Studiengänge aufgelisteten Module können – soweit sie nicht explizit der Einführung in andere Epochen gewidmet sind – im Bereich der Deutschen und Europäischen Zeitgeschichte studiert werden.  Fortgeschrittenen Studierenden steht das Sozial- und Kulturgeschichtliche Kolloquium offen, Doktorandinnen und Doktoranden das universitätsübergreifende Doktorandenseminar für Neuere/Neueste Geschichte, „Nordlichter“, in dem sich ein bis zweimal jährlich Nachwuchswissenschaftler/innen der Universitäten Bremen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Oldenburg und Kiel treffen.

Prof. Cornelia Rauh leitet – gemeinsam mit Prof. Dr. Dirk Schumann und Prof. Dr. Petra Terhoeven, Georg-August-Universität Göttingen – den Zeitgeschichtlichen Arbeitskreis Niedersachsen. Es bestehen darüber hinaus Kooperationen mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg, dem Institut für Zeitgeschichte in München und der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte, Frankfurt, sowie zahlreiche nationale Forschungsbeziehungen und internationale Kooperationen, unter anderem zur Universität Lodz, zum German Historical Institut in Washington und London, sowie zu Universitäten in Frankreich, Großbritannien und in den USA.

Hauptamtlich Lehrende

 

Lehrveranstaltungen werden auch von apl. Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erteilt, die in Forschungsprojekten an der LUH tätig sind.