Forschungsprojekte

1. Monographie: Das Kartell der Agathoi. Die Institutionalisierung von Konkurrenz in der griechischen Archaik

In den kommenden Jahren werde ich meine Forschungen zur soziopolitischen Kultur des archaisch-klassischen Kreta in ein größeres Bild einordnen und der Frage nachgehen, wie sich seit etwa 700 v.Chr. institutionalisierte Organisationsformen in der Welt der griechischen Poleis verbreiteten. Konkret frage ich in meinem aktuellen monographischen Projekt Das Kartell der Agathoi. Die Institutionalisierung von Konkurrenz in der griechischen Archaik nach den Akteuren von Institutionalisierung in dieser Zeit, ihren jeweiligen Motivationen und Handlungsspielräumen. Zu diesem Zweck habe ich auf Grundlage der Soziologie Georg Simmels und Elementen der Spieltheorie ein Modell des ‘Kartells’ entwickelt, welches uns ein neues Verständnis soziopolitischer Prozesse aus (modell-)akteurzentrierter Perspektive in der Archaik erlaubt. Die Stärke dieses Modells – und die Besonderheit der Monographie – liegt unter anderem darin, die Manifestationen von Institutionalisierung in ganz verschiedenen gesellschaftlichen Feldern und unterschiedlichen Mediengattungen gemeinsam in den Blick zu nehmen. Am Ende soll eine innovative Studie stehen, die neben den literarischen Zeugnissen unterschiedlicher Gattungen genauso epigraphische wie archäologische Zeugnisse auswertet, welche also etwa homerische Epen und Stasis-Lieder eines Alkaios, Gefäßmalerei und monumentale Ausgestaltung von Heiligtümern sowie Gesetzesinschriften, Grabepigramme und frühe Münzprägung in ein gemeinsames Modell und Narrativ integrieren wird. Flankiert werden diese Forschungen seit 2014 von dem von mir und Jan B. Meister (Berlin) geleiteten DFG-Netzwerk Konkurrenz und Institutionalisierung in der griechischen Archaik.

2. DFG Netzwerk

DFG Netzwerk Konkurrenz und Institutionalisierung in der griechischen Archaik (2014–2017) gemeinsam mit Jan B. Meister (Humboldt-Universität zu Berlin)

Die griechische Archaik ist eine ausgesprochen dynamische Zeit: Ab dem 8. Jh. v. Chr. entwickelt sich die materielle Kultur in einem für vormoderne Gesellschaften rasanten Tempo, die Übernahme des Alphabets eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Kommunikation, und die zumeist kleinformatigen soziopolitischen Gemeinschaften der Poleis bilden neue politische, soziale und religiöse Institutionen aus.
Das Netzwerk nimmt diese Entwicklungen als Ganzes in den Blick und untersucht aus einer dezidiert interdisziplinären Perspektive, wie beziehungsweise ob sich diese Dynamiken gegenseitig beeinflussten und verstärkten. Der Fokus auf ‚Institutionalisierung‘ einerseits und ‚Konkurrenz‘ andererseits bildet den gemeinsamen analytischen Rahmen: Der akteurzentriert verstandene Institutionenbegriff soll dabei helfen, sich von dem einseitig auf das Politische bezogenen und häufig evolutionär verstandenen Modell einer ‚Staatsentwicklung‘ zu lösen. Konkurrenz wiederum soll als indirekter Kampf um die Gunst Dritter verstanden werden und so helfen, das oft beobachtete ‚agonale Denken’ der Griechen genauer zu fassen.
Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern, wie etwa Politik, Sport, Kunst oder Religion, jeweils eigene Regeln der Konkurrenz ausbildeten und so zu einer Institutionalisierung des jeweiligen Feldes beitrugen. Besonders wichtig wird jedoch die Frage nach der Konkurrenz zwischen Institutionen sein – also die Frage, wie sich konkurrierende Geltungsansprüche der verschiedenen Felder in der Praxis manifestierten. Vierzehn Kollegen und Kolleginnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bilden die Kerngruppe des Netzwerks. Ergänzt von weiteren Kollegen und Kolleginnen kommen wir zu jährlichen Workshops zusammen und führen die Ergebnisse unserer Teilprojekte zusammen. Im Rahmen einer Tagung im November 2017 sowie in einer abschließenden Publikation soll das Gesamtergebnis der wissenschaftlichen Öffentlichkeit präsentiert werden.


3. European Network for the Study of Archaic Greece


Im Mai 2017 wurde das European Network for the Study of Archaic Greece in Berlin gegründet. Aufbauend auf dem DFG Netzwerk Konkurrenz und Institutionalisierung in der griechischen Archaik (Laufzeit 2014–2017), welches noch bewusst deutschsprachige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen versammelte, vereint das European Network eine Kerngruppe von Kollegen und Kolleginnen aus Schottland, England, Frankreich, Italien, Polen sowie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um aus einer jüngeren Generation von Wissenschaftlern heraus eine ausdrücklich theoriegeleitete und um Modellbildung bemühte Beschäftigung mit der griechischen Archaik weiter voranzutreiben. Im mindestens jährlichen Abstand werden sich die Beteiligten, die aus der Geschichte und Archäologie, der Philologie und Rechtswissenschaft stammen, zusammen mit ausgewählten Gästen zu bewusst problemorientierten und diskussionsintensiven Arbeitstreffen versammeln.


Jahrestreffen 2019 (Berlin) – Performing Luxury and Austerity in Archaic Greece and Beyond