Veranstaltungsankündigungen, D.Kaune

aktuell und demnächst

  • "Das Zeitalter der Kaiser und Päpste. Einführung in die Geschichte des Mittelalters" (Basisseminar, SoSe 2024)

    Das Mittelalter hat, so Peter Hilsch, „Konjunktur. [Denn] In den […] Buchhandlungen liegen zahlreiche Bücher zum Thema […]. Kino- und Fernsehfilme […] beschäftigen sich mit dem Mittelalter, Science-Fiction- und Fantasyserien verwenden regelmäßig mindestens Versatzstücke […] des angeblichen Ritterlebens. Die touristische Verwertung durch bunte Mittelaltermärkte, Ritterspiele und Turniere zieht […] große Menschenmengen an, und das nicht nur in Deutschland.“ Und dennoch: Oftmals bleibt das Wissen über die mittelalterliche Epoche beschränkt. Infolgedessen fragen sich nicht nur Studierende der Geschichte, wie das Zeitalter der Kaiser und Päpste, das irgendwo zwischen 500 und 1500 datiert, wohl „wirklich“ gewesen ist.

    Wenngleich die Mediävistik eine Vielzahl an Antworten auf diese Frage bereithält, in Gänze lassen sich die versch. Themenfelder, mit denen die geschichtliche Entwicklung des Abendlandes zu durchleuchten ist (u.a. Kirche und Papst, Reich und König, Stadt und Land, Räte und Zünfte) aber nicht besprechen – zumindest nicht binnen eines Semesters. Infolgedessen strebt das Seminar vielmehr zweierlei an: Erstens eine kritische Diskussion von Epochengrenzen (Geschichte? Geschichtswissenschaft!) und zweitens eine allgemeine Einführung den Fachbereich (Mittelalter / Mediävistik). Dazu werden im Basisseminar zuerst historische Grundbegriffe erarbeitet und „Handwerkzeuge“ der Historiker*innen besprochen, mit denen das „mittlere Zeitalter“ dann besprochen werden kann. In der zweiten Hälfte der Lehrveranstaltung stehen dann versch. Themen zur Diskussion, die Auskunft darüber geben, wie das Mittelalter war bzw. was man darüber wissen sollte. Die Veranstaltung wird durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt und Spezifika der Mediävistik, u.a. in Form der sog. Hilfs-/Grundwissenschaften, diskutiert.


    Literatur: Jussen, Bernhard (Hg.), Die Macht des Königs, München 2005; Kaufhold, Martin, Interregnum, Darmstadt 2007; Baumgärtner, Ingrid / Kugler, Hartmut (Hg.), Europa im Weltbild des Mittelalters, Berlin 2008; Oster, Uwe A., Atlas des Mittelalters – Von der Völkerwanderung bis zur Entdeckung Amerikas, München 2008; Goez, Elke, Papsttum und Kaisertum im Mittelalter, Darmstadt 2009; Mierau, Heike Johanna, Kaiser und Papst im Mittelalter, Köln / Weimar / Wien 2010;  Weinfurter, Stefan, Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation im Mittelalter, München 2011; Schneidmüller, Bernd, Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht, Darmstadt 2020.

  • Eine „dunkle Epoche“? Einführung in die Geschichte des Mittelalters" (Basisseminar, WisSe 2024/25)

    Wenn man seine Lehrveranstaltung zur Einführung in die Geschichte des Mittelalters schon mit einer derart provokanten Blöd-Frage überschreibt, so sollte man die Antwort gleich vorwegnehmen: Nein, die Geschichte des europäischen Mittelalters ist keinesfalls mit finsteren Vorurteilen (Aberglaube und Unbildung, Barbarei und Hexenverfolgung, techn. Rückständigkeit und Wissenschaftsfeindlichkeit) zu erzählen! Das sollte zwar längst, auch abseits des gesch.wiss. Elfenbeinturms, allgemein bekannt sein. Aber die Mär von der „dunklen Epoche“ hält sich bis heute ebenso hartnäckig, wie das Klischee vom „liebliche[n] Mittelalter der Troubadoure“ (Jacques Le Goff).

    Diese Beobachtung lässt fragen, wer das finstere Mittelalter erfand bzw. wer sich lediglich auf helle Teilstücke der Epoche konzentrieren wollte (und warum diese beiden Mittelalter-Bilder bis in die Gegenwart weiterwirken). Die Spurensuche führt ins 18. und 19. Jahrhundert, ins Zeitalter der Aufklärung und der Romantik, als man die Entstehung europ. Nationalstaaten, Individualität, rationales Denken, Wissenschaft und Bildung unbedingt erst in der Neuzeit verorten und gleichzeitig neuzeitliche Verfolgungen und Unterdrückung ins Mittelalter vorverlegen wollte. Blickte man hingegen mit den Quellen hinein in die Epoche und fragte den mittelalterlichen Zeitgenossen, in was für einer Zeit er lebe, dann antwortete er etwa: in hoc interim saeculo (Augustinus v. Hippo, 5. Jh.) oder tempus medium (Julian v. Toledo, 7. Jh.). Dieses „mittlere (Zwischen-)Zeitalter“ verweist, ungeachtet der Bezeichnungs-Verwandtschaft (mittleres Zeitalter / Mittelalter), aber nicht auf eine finstere Epoche. Im Gegenteil: Gemeint ist jener „Zwischenraum“ zwischen der Geburt Christi und seiner Wiederkunft, die – da waren sich die Gelehrten sicher – nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Man lebte also gewissermaßen in der Periode des letzten großen Imperiums, in freudiger Vorerwartung auf die baldige Erlösung – das exakte Gegenteil von einer finsteren Zeit bzw. einer dunklen Epoche. Wenn überhaupt, dann ist das Mittelalter lediglich dort dunkel, wo HistorikerInnen die Quellen fehlen. Doch das ist, oh! - what a surprise, in jeder Epoche ein alltägliches Problem des geschichtswissenschaftlichen Arbeitens; gerade dann, wenn man seinen Fokus klein, auf konkrete Zeitabschnitte und/oder bestimmte Regionen, einstellt.

    Das Seminar möchte sich mit krit. Quellenarbeit zwar durchaus in eben diesen spannenden Diskurs um versch. Mittelalter-Bilder einreihen (mittelalterliche Selbstwahrnehmung vs. neuzeitliche Fremd(um)deutung); eben weil eine multiperspektivische Rezeptionsgeschichte helfen kann, Epochengrenzen kritisch zu diskutieren und quellenkritisches Arbeiten zu üben. Relevanter aber ist, die dann schon dekonstruierten Vorurteile / Auffassungen über das Mittelalter beiseite zu schieben und Wissen aus dem Mittelalter zu schöpfen. Dafür werden in der Lehrveranstaltung ausgewählt Themen zur Diskussion gestellt, die repräsentativ für eine über-1000-jährige Epoche sind und in Summe ein „hist. korrektes Gesamt-Bild“ des Zeitalters ergeben. Derart zielt das Seminar nicht nur auf angehende Geschichtslehrkräfte ab, die Überblickswissen benötigen, sondern die Veranstaltung soll auch all diejenigen Studierenden ansprechen, die sich im Verlaufe der Semester (möglicherweise) im mediävistischen Fachbereich vertiefen wollen. Das Seminar wird durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das nicht nur Basiswissen des wiss. Arbeitens einübt, sondern auch Spezifika der Mediävistik, u.a. in Form der sog. Hilfs-/Grundwissenschaften, diskutiert.


    Literatur: Stadelmann, Rudolf, Grundformen der Mittelalterauffassung von Herder bis Ranke, in: DVLG Bd. 9 (1931), S. 45-88; Eco, Umberto, Auf dem Weg zu einem Neuen Mittelalter, in: Ders., Über Gott und die Welt, München / Wien 1985, S. 7-33; Pörksen, Uwe, Der Totentanz des Spätmittelalters und sein Wiederaufleben im 19. und 20. Jahrhundert, in: Wapnewski, Peter (Hg.), Mittelalter-Rezeption, Stuttgart 1986, S. 245-262; Oexle, Otto Gerhard, Das entzweite Mittelalter, in: Althoff, Gerd (Hg.), Die Deutschen und ihr Mittelalter, Darmstadt 1992, S. 7-28; Oexle, Otto Gerhard, Die Moderne und ihr Mittelalter - Eine folgenreiche Problemgeschichte, in: Segl, Peter (Hg.), Mittelalter und Moderne, Sigmaringen 1997, S. 307-364; Le Goff, Jaques, Auf der Suche nach dem Mittelalter, München 2004 [Zitat S. 15]; Groebner, Valentin, Das Mittelalter hört nicht auf, München 2008; Mertens, Volker / Stange, Carmen (Hg.), Bilder vom Mittelalter, Göttingen 2007; Klein, Dorothea (Hg.), „Überall ist Mittelalter“ – Zur Aktualität einer vergangenen Epoche, Würzburg 2015.

  • Das Streben nach Macht. Hoch- und spätmittelalterliche Machtstrategien zwischen Anspruch und Realität (Vertiefungsseminar, WiSe 2024/25)

    Fragte man Zedlers viel zitiertes Universal-Lexicon, was eigentlich „Macht“ sei bzw. ausmache, so stünde zunächst folgende Antwort zur Debatte: „Macht, ist eine Krafft oder Vermögen das mögliche würcklich zu machen.“ Weniger philosophisch – und ungeachtet der göttlichen Macht – heißt es da weiter, dass klar sei, „Daß die Obrigkeit Macht haben müsse, […] weil Sie im Stande seyn muß […] alles auszuführen, was Sie für die gemeine Wohlfahrt und Sicherheit vorteilhaft befindet.“ Demnach ist der interessierte Leser schnell da, wohin auch das entsprechende Lemma im Lexikon des Mittelalters verweist: Macht --> Herr, Herrschaft; --> potestas. Jenseits soziologischer Erklärungsmodelle, was das Wesen oder die Basis von Macht definiere (Sofsky / Paris 1991; Popitz ²1992; Maurer 2004), ist Macht also mit Herrschaft gleichzusetzen – insbesondere im Mittelalter.

    Bemühte man sich demnach um eine Zusammenfassung von mittelalterlichen Macht- bzw. Herrschaftsstrukturen, dann könnte man sich mit wenigen Worten gegebenenfalls auf das Nachfolgende einigen: Während die frühmittelalterliche Welt noch in Symbiose von Kaiser- und Papsttum geeint war, da nahmen die Streitigkeiten um die herrschaftliche Vormachtstellung im Hochmittelalter nicht nur zu, sie eskalierten im 13. Jahrhundert gar derart, dass die einstige Einheit zerbrach. Infolgedessen war die Zeit des späten Mittelalters dann nicht nur auf oberster Herrschaftsebene durch dynastische Machtkämpfe geprägt, sondern sie wurde auch durch versch. Machtstrategien bestimmt, mit denen Stadtadel und Bürgertum lokale bzw. regionale Herrschaftsstrukturen umgestalteten. Gerade in den größeren Städten der deutschen Lande war das Hin- und Herschwanken zwischen alten Machtvorstellungen und neuen -verhältnissen dann keinesfalls unüblich.

    Im Bewusstsein dessen, dass der Transformationsprozess der deutschen Rechtslandschaft bzw. des politischen (Herrschafts-)Systems im HRR bis weit nach 1500 andauerte, will das Seminar zwar auch den politisch-theoretischen Diskurs (einer allgm. Reichsreform) besprechen, vor allem aber den herrschaftlich-praktischen Prozess (einer spez. Machtverschiebung) in den Blick nehmen. Fragend ausgedrückt: Wer war einst die machthabende Obrigkeit (bspw. über eine Stadt) und wie verlor sie ihre Herrschaftsvorrechte (bspw. an den Rat)? Wie organisierten sich neue Machthaber über Stadt und Land, um „alles auszuführen, was […] für die gemeine Wohlfahrt und Sicherheit“ notwendig war? Mit welchen Mitteln konnten neue Machtstrukturen nicht nur ausgebildet, sondern auch nachhaltig etabliert werden? Etc.! Gewiss lassen sich diese Fragen im Hinblick auf die Zeitspanne zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert mit einer gewissen Allgemeingültigkeit beantworten. Jedoch geht damit unweigerlich auch eine gewisse Gleichgültigkeit, zumindest aber Missachtung von z.T. sehr unterschiedliche Wandlungsprozessen einher. Da aber gerade letzteres, das detaillierte Studium von herrschaftlicher Neustrukturierung (von der einstigen Machtfülle eines Stadtherren zur neuerlichen Herrschaftsentfaltung einer Stadtgesellschaft) im Fokus der Lehrveranstaltung steht, sollen einzelne ausgewählte Beispiele zur Diskussion gestellt werden.


    Quelle: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künst, 64 Bde., 1731-1754, Zitate Bd. 19 Sp. 86/87 und Sp. 90.
    Literatur: Kern, Fritz, Recht und Verfassung im Mittelalter, in: HZ 120 (1919), S. 1-79; Elze, Reinhard / Fasoli, Gina (Hg.), Stadtadel und Bürgertum in den italienischen und deutschen Städten des Spätmittelalters, Berlin 1991; Sofsky, Wolfgang / Paris, Rainer, Figurationen sozialer Macht, Opladen 1991; Popitz, Heinrich, Phänomene der Macht, Tübingen ²1992; Head, Randolph C., Shared Lordship, Authority, and Administration, in: Central European History Vol. 30/4 (1997), S. 489-512; Canning, Joseph / Oexle, Otto Gerhard (Hg.), Political Thought and the Realities of Power in the Middle Ages, Göttingen 1998; Schneidmüller, Bernd, Konsensuale Herrschaft, in: Heinig, Paul-Joachim et al. (Hg.) Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit, Berlin 2000, S. 53-87; Maurer, Andrea, Herrschaftssoziologie, Frankfurt am Main 2004; Ottmann, Henning, Geschichte des politischen Denkens Bd. 2.2: Das Mittelalter, Stuttgart 2004; Rogge, Jörg, Kommunikation, Herrschaft und politische Kultur, in: Schlögel, Rudolf (Hg.), Interaktion und Herrschaft, Konstanz 2004, S. 381-407; Jussen, Bernhard (Hg.), Die Macht des Königs, München 2005; Wanke, Helen, Zwischen geistlichem Gericht und Stadtrat, Mainz 2007; Oestmann, Peter, Wege zur Rechtsgeschichte, Köln / Weimar / Wien 2015; Reinle, Christine, Was bedeutet Macht im Mittelalter?, in: Zey, Claudia (Hg.), Mächtige Frauen?, Ostfildern 2015, S. 35-72; Althoff, Gerd, Kontrolle der Macht: Formen und Regeln politischer Beratung im Mittelalter, Darmstadt 2016; Büttner, Andreas, Königsherrschaft im Mittelalter, Berlin/Boston 2018; Schneidmüller, Bernd (Hg.), Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht, Darmstadt 2020.


zuvor (Auswahl)

  • "Stadt und Bergbau. Auf den Spuren der Harzer Bergstädte Clausthal und Zellerfeld im Kontext der niedersächsischen Landesgeschichte (12.-16.Jh.)" (Vertiefungsseminar, WiSe 2023/24)

    Wenngleich Clausthal und Zellerfeld erst 1924 zur heutigen Berg- und Universitätsstadt zusammengeschlossen wurden, die gemeinsame Geschichte beginnt im 16. Jh. – und das überaus streitig: Zunächst (wieder-)entdeckt Heinrich d.J. von Braunschweig-Wolfenbüttel die reichen Erzadern des Oberharzes und zögert auch nicht nach ihnen zu greifen (Zellerfeld, seit ca. 1526). Dabei ließ er die stetig wachsenden Ganglagen nicht nur immer tiefer in den Berg, sondern gen Osten hin auch über Grenzen hinweg treiben. Diesbezüglich insistierte Heinrichs Vetter, Philipp I. von Braunschweig-Grubenhagen, zwar schon 1531 auf Einhaltung der vereinbarten Grenzen zwischen den welfischen Fürstentümern des Harzraums (unmittelbar bei Zellerfeld), doch hinderte dies Heinrich nicht, der Zellerfelder Montanwirtschaft zur raschen Blüte zu verhelfen. Eine zeitgenössische Chronik weiß zu berichten: Ob aber auch woll zu dieser Zeit […] Zellerfeld einen geringen anfang vnd ansehen gehabt, so sind sie doch hernach [nach dem Stadtrecht von 1529 und der Bergfreiheit von 1532] baldt gestiegen vnd herfür auch in einen großen beruff gekommen (H. Hacke, 1617). Schließlich kam es (auch im Kontext der Reformation und des Schmalkaldischen Bundes) zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Herzögen, die erst gen Ende von Philipps Regentschaft, drei Jahre vor seinem Tod 1551, ihr Ende fanden, als dieser an der alten Heerstraße, direkt bei Zellerfeld, Clausthal gründete – gewissermaßen als Gegenwurf zur Wolfenbütteler Bergstadt (Clausthal, seit 1548).

    In der longue durée der Oberharzer Bergbaugeschichte, die ohnehin durch die Erzabbaumöglichkeiten des Rammelsberges dominiert wird, ist das Vorbeschriebene zwar nur eine flüchtige Momentaufnahme, sie verweist aber auf eine überaus dynamische, ja gar konfliktträchtige Herrschaftsgeschichte im und am Berg, die es zu untersuchen lohnt. Eine solche Untersuchung muss sich entsprechend der Überlieferung zwar auf das 16. und 17. Jh. konzentrieren (Bergordnungen: seit 1520/21; Jurisdiktionsangelegenheiten: seit 1531; Bergamtsprotokolle: seit 1577 (Zellerfeld) bzw. seit 1639 (Clausthal); etc.), sie hat aber auch den historischen Kontext, namenhaft die niedersächsische Landesgeschichte, zu besprechen. Damit greift das Thema, welches im Seminar zur Diskussion gestellt wird, nicht nur bis in das 12. / 13. Jh. zurück (u.a. Ächtung Heinrich des Löwen 1180, Wiedereinsetzung der Welfen über das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg 1235, erster Bergbau zu Cella um 1250 und Anlage des sog. Papendeich, heute: unterer Pfauenteich, in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s), es steht überhaupt zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit.

    Demnach richtet sich das Vertiefungsseminar zwar an fortgeschrittene Studierende, die Basiswissen zum abgesteckten Zeitraum mitbringen (ca. 12. – 16. Jh.), die Veranstaltung ist jedoch so konzipiert, dass auch ohne entspr. Professionswissen ein Lernerfolg im Kontext der niedersächsischen Landes- bzw. Oberharzer Bergbaugeschichte garantiert wird. Entscheidend ist die Bereitschaft zur intensiven Lektüre von Forschungstexten und Quellen, welche in Form von Referaten zur Diskussion gestellt werden. Die aktive und regelmäßige Teilnahme am Seminar wird erwartet und ist fester Bestandteil der Studienleistung.


    Quelle: Die Bergchronik des Hardanus Hake, Clausthal 1617 (ed. v. H. Denker, Wernigerode 1911 [ND 2016]), Zitat S. 41.
    Literatur: Brosius, Dieter, Geschichte des Harzraums, in: Ders. et al. (Hg.), Der Harz, Hannover 1990, S. 79-111; Hauptmeyer, Carl-Hans, Bergbau und Hüttenwesen im Harz während des Mittelalters, in: Kaufhold, Karl Heinrich (Hg.), Bergbau und Hüttenwesen im und am Harz, Hannover 1992, S. 11-20; Bartels, Christoph, Vom frühneuzeitlichen Montangewerbe zur Bergbauindustrie, Bochum 1992;  Westermann, Ekkehard (Hg.), Vom Bergbau- zum Industrierevier, Stuttgart 1995; Jockenhövel, Albrecht (Hg,), Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter, Stuttgart 1996; Seger-Glocke, Christine (Hg.), Auf den Spuren einer frühen Industrielandschaft, Hameln 2000; Hauptmeyer, Carl-Hans, Niedersachsen. Landesgeschichte und historische Regionalentwicklung im Überblick, Oldenburg 2004; Brüggerhoff, Stefan / Farrenkopf, Michael / Geerlings, Wilhelm (Hgg.), Montan- und Industriegeschichte, Paderborn u.a. 2006; Ließmann, Wilfried, Historischer Bergbau im Harz, 3. Aufl. Berlin / Heidelberg 2010; Tenfelde, Klaus / Berger, Stefan / Seidel, Hans-Christoph (Hgg.), Geschichte des deutschen Bergbaus Bd. 1, Münster 2012; Bluma, Lars / Farrenkopf, Michael / Przigoda, Stefan, Geschichte des Bergbaus, Berlin 2018.

     

  • "Historia Medii Aevi. Streifzug durch die Geschichte des späten Mittelalters" (Basisseminar, WiSe 2023/24)

    Gen Ende des 17. Jh.s, im Jahr 1685, veröffentlichte Christoph Cellarius seine Historia Antiqua. Anschließend arbeitete er etwa elf Jahre an der Geschichte des mittleren Zeitalters, von Konstantin dem Großen bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken: Historia Medii Aevi A Temporibus Constantini Magni Ad Constantinipolim A Turcis Captam Deducta. Diesem 1698 erstmals publizierten Werk folgte 1702 noch eine Geschichte der Neuzeit, die Historia Nova nach, womit Cellarius seine Historia Universalis, ein allgemeines Geschichtskompendium, beschloss. Der Punkt ist: Die gebundene Gesamtausgabe der drei Teile war nicht nur äußerst populär und erfuhr zahlreiche Neuauflagen, sondern sie etablierte die (teils schon vor ihm vertretene) Periodisierung der Geschichte in Antike, Mittelalter und Neuzeit auch nachhaltig. Ungeachtet der jüngeren Binnendifferenzierung der neuzeitlichen Epoche (in Frühe Neuzeit und Zeitgeschichte) ist Cellarius Trias noch bis heute von allgemeiner Gültigkeit. Zumindest prägt sie unseren Blick auf die Geschichte, gerade auch weil die historiographischen Epochenbegriffe seitdem kanonisch zur Anwendung gebracht werden.

    Das Seminar strebt zwar keine quellenkritische Durchsicht der Historia medii aevi an, der Blick auf Cellarius Werk lädt aber – im weitesten Sinne – zu zweierlei Dingen ein: Zur kritischen Diskussion von Epochengrenzen (Geschichte? Geschichtswissenschaft!) und zur Einführung in einen Fachbereich (Mittelalter / Mediävistik). Demnach werden im Basisseminar zunächst historische Grundbegriffe erarbeitet und „Handwerkzeuge“ der Historiker*innen besprochen, mit denen das ‚medium aevum‘ durchdrungen werden kann. Der zweite Teil der Lehrveranstaltung gibt dann einen Überblick über die Geschichte des Mittelalters. Letzterer wird sich zwar auf die Zeit des sog. Spätmittelalters konzentrieren (ca. 13. – Mitte 16. Jh.), aber mittels verschiedener, systematisch ausgewählter Themenzugriffe, die vom Einzelbeispiel ausgehend Verallgemeinerungen anbieten, doch einen umfassenden Überblick über die Epoche präsentieren (ca. 500 – 1500). Das Seminar setzt keinerlei Vorwissen zur mittelalterlichen Geschichte voraus – es dient im Gegenteil der allgemeinen Einführung in die Epoche des ‚mittleren Zeitalters‘. Die Veranstaltung wird durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt und Spezifika der Mediävistik, u.a. in Form der sog. Hilfs-/Grundwissenschaften, diskutiert.


    Zur Kontextualisierung von Cellarius: Srbik, Heinrich von,  Geist und Geschichte vom deutschen Humanismus bis zur Gegenwart, 2. Aufl. München 1964.
    Literatur: Boshof, Egon / Erkens, Franz-Reiner, Rudolf von Habsburg 1273-1291 – Eine Königsherrschaft zwischen Tradition und Wandel, Köln u.a. 1993; Köbler, Gerhard, Deutsche Rechtsgeschichte, 6 Aufl. München 2005; Krieger, Karl-Friedrich, König, Reich und Reichsreform im Spätmittelalter, München 2005; DISTLER, Eva-Marie, Städtebünde im deutschen Spätmittelalter, Frankfurt a. M. 2006; STERCKEN, Martina, Städte der Herrschaft, Köln / Weimar / Wien 2006; Kaufhold, Martin, Interregnum, Darmstadt 2007; Baumgärtner, Ingrid / Kugler, Hartmut (Hg.), Europa im Weltbild des Mittelalters, Berlin 2008; Kroeschell, Karl / Cordes, Albrecht / Nehlsen-von Stryk, Karin, Deutsche Rechtsgeschichte Bd. 2, 9. Aufl. Köln 2008; Isenmann, Eberhard, Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550, 2. Aufl. Köln / Weimar / Wien 2014.
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  • "Stadt ist nicht gleich Stadt. Stadtherren, Zunftregimente und Ratsherrschaften am spätmittelalterlichen Oberrhein" (Vertiefungsseminar, SoSe 2023)

    Das Thema „Stadt“ ist nicht nur ein Steckenpferd der Mediävistik, sondern als epochen- und kulturübergreifendes Phänomen auch Gegenstand zahlreicher anderer Wissenschaften. Denn Städte sind gebaute Lebensformen zwischen Vergangenheit und Zukunft (Beutmann et al., 2022). Gerade im Hinblick auf das späte Mittelalter – hier ca. 1150 bis 1550 – ist dann aber augenfällig, dass Stadt nicht gleich Stadt ist. Zwar mag dieser Befund zunächst eher redundant anmuten. Indem er aber weder die naturräumlichen Lagen noch die individuellen Anfänge der einzelnen Stadtgeschichten oder ihre bauhistorischen Entwicklungen vergleicht, sondern vielmehr die herrschaftsstrukturellen Unterschiedlichkeiten der deutschen Städte im Mittelalter fokussiert (auch Rat ist nicht gleich Rat), steht ein überaus komplexes (Zentral-)Thema der Geschichtswissenschaft zur Debatte.

    Eben diese, die vergleichende Diskussion verschiedener mittelalterlicher Stadtherrschaften, steht im Fokus der Lehrveranstaltung. Damit wird zunächst über die deutsche Rechtslandschaft, insbesondere über die verschiedenen Stadttypen im Allgemeinen zu sprechen sein (Bischofsstädte, Freie Städte, Reichsstädte, Land-/Territorialstädte). Nachfolgend stehen dann Entstehung und Ausbreitung von Ratsherrschaften und Bürgermeisterämtern, also städtische Verfassungsgeschichten im Fokus, womit im Besonderen nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern auch Unterschiede auszumachen sind. Die Kombination der Zugriffe (allgm. Rechtslandschaft und spez. Stadtherrschaft) zielt schließlich auf das politische Mit- und Gegeneinander der Städte ab, welches u.a. am Oberrhein par excellence – d.h. hier: nicht nur facettenreich, sondern auch überaus konfliktträchtig – beobachtet werden kann. Das Seminar konzentriert sich dabei aber nicht, wie die Titelei es andeutet, auf den Oberrhein in Gänze, sondern auf den südwestlichen Teil der Oberrheinischen Tiefebene im Besonderen. Begründet wird dies im historischen Kontext der dortigen Städtebünde, die insbesondere zwischen Straßburg und Basel zur Untersuchung einladen (was nicht nur die dazwischenliegenden Städte, wie Colmar, Freiburg i.Br. und Mühlhausen, explizit miteinschließt, sondern implizit auch den Ausgriff auf andere Regionen bedingt).

    Das Vertiefungsseminar richtet sich zwar an fortgeschrittene Studierende, die Basiswissen zur mittelalterlichen (Stadt-)Geschichte mitbringen, ist jedoch so konzipiert, dass auch ohne entspr. Professionswissen ein Lernerfolg im Kontext der spätmittelalterlichen Geschichte garantiert wird. Entscheidend ist die Bereitschaft zur intensiven Lektüre von Forschungstexten und Quellen. Die aktive und regelmäßige Teilnahme an der Lehrveranstaltung wird erwartet und ist fester Bestandteil der Studienleistung.


    Literatur: Stercken, Martina, Städte der Herrschaft. Kleinstadtgenese im habsburgischen Herrschaftsraum des 13. und 14. Jahrhunderts, Köln / Weimar / Wien 2006; Willoweit, Dietmar, Deutsche Verfassungsgeschichte. Vom Frankenreich bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, 6. Aufl. München 2009; Isenmann, Eberhard, Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550, 2. Aufl. Köln / Weimar / Wien 2014; Bihrer, Andreas / Fouquet, Gerhard (Hgg.), Bischofsstadt ohne Bischof? Präsenz, Interaktion und Hoforganisation in bischöflichen Städten des Mittelalters (1300-1600), Ostfildern 2017; Oppl, Ferdinand / Weigl, Andreas (Hgg.), Städtebünde. Zum Phänomen interstädtischer Vergemeinschaftung von Antike bis Gegenwart, Innsbruck 2017; Deigendesch, Roland / Jörg, Christian (Hgg.), Städtebünde und städtische Außenpolitik. Träger, Instrumentarien und Konflikte während des hohen und späten Mittelalters, Ostfildern 2019; Beutmann, Jens [et al.] (Hgg.), Die Stadt. Eine gebaute Lebensform zwischen Vergangenheit und Zukunft, Trier 2022.

  • "Bericht vom Bergwerck, wie man dieselben bawen sol. Zur Geschichte des Oberharzer Bergbaus (15.-17.Jh.)" (Basisseminar, SoSe 2023)

    Noch bevor „Gott der Allmächtige den ersten Menschen auff Erden geschaffen, hat er ihm […] allerhandt irdische Cörper von mannicherley Metallen, Bergcsäfften, und was deß Dinges mehr ist, ins Erdreich gelegt, die der Mensch […] herauß gewinnen, zu Nutz machen und gebrauchen mag.“ (Georg Engelhard von Löhneyß, Bericht vom Bergwerck, Zellerfeld 1617, Vorrede.)

    Im Harz kann solch Nutzung und Gebrauch um 300 n. Chr. zwar sicher nachgewiesen werden (archäologisch, in Düna / Osterode), wobei die Funde von Müllingen gar bis in die Zeit um 1000 v. Chr. zurückweisen. Und Spätestens seit dem 10. Jh. ist der Oberharzer Bergbau dann auch schriftlich bezeugt (bei Goslar / am Rammelsberg). Jedoch waren es – nach einer ersten konjunkturellen Hochphase der bergbaulichen Tätigkeiten im 12. Jh. und der nachfolgenden Depression im 14./15. Jh. – erst die landesherrlichen Sonderrechte des 16. Jh.s (sog. Bergfreiheiten), die dem Harzer Montanwesen zur vollen Blüte verhalfen: Der Zuzug sächsischer Bergleute bedingte nicht nur eine rasante städt. Entwicklungen (bspw. Zellerfeld, seit 1529, und Clausthal, gegründet 1548), er brachte auch Professionswissen aus den Bergwerken des Erzgebirges in den Harzraum. Infolgedessen nahmen die techn. Anstrengungen am Berg stetig zu (Tiefe der Gruben / Effizienz der Verhüttung) und die montanwirtschaftliche Administration verdichtete sich. Gleichwohl die Montanregion im Verlauf dieser „Proto-Industrialisierung“ (Franklin Mendel, 1972) auch unter herrschaftlichen Streitigkeiten, teils schweren (kriegerischen) Konflikten, litt, der Oberharz war schon um 1600 zu einem vom Bergbau dominierten Wirtschaftsgebiet geworden. Während das Montanwesen im Europa des 17. Jh.s. dann vielerorts in langanhaltende Krise geriert, kommt es am Harz zu einer enormen Ausweitung der metallwirtsch. Produktion, die bis in das 19. Jh. anhalten sollte.

    Wenngleich damit insgesamt ein Thema zur Diskussion steht, das – ungeachtet der archäologischen Funde – den Zeitraum vom 10. bis zum 19. Jh. abdeckt, der Fokus der Lehrveranstaltung wird auf dem fließenden Epochenübergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit liegen (ca. 15. - 17. Jh.). Damit bietet das Seminar nicht nur die Chance, die Geschichte des Oberharzer Bergbaus in seiner Blütezeit zu besprechen, es dient auch als exemplarischer Zugriff auf zentrale Themen der mittelalterlichen Geschichte. Die Veranstaltung wird durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt und Spezifika der Mediävistik diskutiert.


    Quelle: Georg Engelhard von Löhneyß [Löhneiss], Bericht vom Bergwerck, wie man dieselben bawen vnd in guten wolstande bringen sol, Zellerfeld 1617.
    Literatur:
    Kaufhold, Karl Heinrich (Hg.), Bergbau und Hüttenwesen im und am Harz, Hannover 1992; Bartels, Christoph, Vom frühneuzeitlichen Montangewerbe zur Bergbauindustrie, Bochum 1992; Westermann, Ekkehard (Hg.), Vom Bergbau- zum Industrierevier, Stuttgart 1995; Seger-Glocke, Christine (Hg.), Auf den Spuren einer frühen Industrielandschaft, Hameln 2000; Fessner, Michael / Friedrich, Angelika / Bartels, Christoph, „gründliche Abbildung des uralten Bergwerks“, Bochum 2002; Gerhard, Hans-Jürgen / Kaufhold, Karl Heinrich / Westermann, Ekkehard (Hgg.), Europäische Montanregion Harz, Bochum 2002; Brüggerhoff, Stefan / Farrenkopf, Michael / Geerlings, Wilhelm (Hgg.), Montan- und Industriegeschichte, Paderborn u.a. 2006; Rasch, Manfred (Hg.), Harz – Eine Montanregion im Wandel, Essen 2008; Lampe, Wolfgang / Langefeld, Oliver  (Hgg.), ,,Gottlob, der Durchschlag ist gemacht”, Clausthal-Zellerfeld 2014; Langefeld, Oliver / Ließmann, Wilfried  (Hgg.), ,,Die Wasser hoch halten…” Wasserwirtschaft im Bergbau, Clausthal-Zellerfeld 2018.

  • "Es begann mit Uri, Schwyz und Unterwalden. Die Bündnisse der Eidgenossen im Raum der heutigen Schweiz (13.-16. Jh.)" (Basisseminar, WiSe 2022/23)

    Kommunale Bündnisse verschiedenster Form sind fester Bestandteil jeder historischen Epochen. Im Hinblick auf die Geschichte des Mittelalters ist das 13. Jahrhundert dabei dann von besonderer Relevanz. Denn einerseits bezeugt es den ökonomischen Aufstieg sowie die Emanzipation der kommunalen Gemeinwesen. Und andererseits treten Städtebünde erstmals überregional als Wahrer von Recht und Friede auf – eine eigentlich genuin königliche bzw. kaiserliche Herrschaftsfunktion. Das prominenteste Beispiel für eine solche Entwicklung findet sich wohl im Rheinischen Städtebund von 1254, der jedoch schnell wieder zerging. Ein weiteres, weit länger währendes Fallbeispiel ist die Schweizerische Eidgenossenschaft, die 1291 mit Uri, Schwyz und Unterwalden begann.

    Letzteres, die Entstehung der Eidgenossenschaft im Raum der heutigen Schweiz, steht im Mittelpunkt des Seminars; gerade auch weil die Bündnisse der Eidgenossen im Kontext der spätmittelalterlichen Herrschaftsgeschichte als „Sonderfall“ zu kontextualisieren sind (E.-M. Distler [2006], S. 49ff). Dabei gibt das Seminar zwar einen Überblick über die Geschichte der Schweiz, wobei es sich insbesondere auf die einzelnen Bundesbriefe der »eitgenozen« bzw. das werdende Bündnisgeflecht zwischen Jura, Bodensee und Alpen konzentriert (13.-16. Jh.). Da sich die Veranstaltung jedoch vornehmlich an Studienanfänger richtet, dient das Oberthema auch als exemplarischer Zugriff auf die mittelalterliche Geschichte im Allgemeinen. Ferner wird die Lehrveranstaltung noch durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt, Spezifika der Mediävistik diskutiert und einzelne Teilaspekte des Seminars vertieft.


    Literatur: Gasser, Adolf, Die territoriale Entwicklung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291-1797, Aarau 1932; Mommsen, Karl, Eidgenossen, Kaiser und Reich, Basel / Stuttgart 1958; Peyer, Hans Conrad, Verfassungsgeschichte der alten Schweiz, Zürich 1978; Niederstätter, Alois, Der alte Zürichkrieg, Wien / Köln / Weimar 1995; Sieber-Lehmann, Claudius, Spätmittelalterlicher Nationalismus, Göttingen 1995; Wiget, Josef (Hg.), Die Entstehung der Schweiz, Schwyz 1999; Stadler, Peter, Epochen der Schweizergeschichte, Zürich 2003; Stettler, Bernhard, Die Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert, Zürich 2004; Distler, Eva-Marie, Städtebünde im deutschen Spätmittelalter, Frankfurt a. M. 2006; Kreutz, Bernhard, Städtebünde und Städtenetz am Mittelrhein im 13. und 14. Jahrhundert, Trier 2005; Stercken, Martina, Städte der Herrschaft, Köln / Weimar / Wien 2006; Im Hof, Ulrich, Geschichte der Schweiz, Stuttgart 82007; Meier, Bruno, Von Morgarten bis Marignano, Baden 2015; Lau, Thomas / Wittmann, Helge (Hgg.), Kaiser, Reich und Reichsstadt in der Interaktion, Petersberg 2016; Maissen, Thomas, Geschichte der Schweiz, Stuttgart 2017.

  • "Montanregion im Wandel. Spätmittelalterliche Bergrechte und vorindustrieller Bergbau in Norddeutschland" (Vertiefungsseminar, WiSe 2022/23)

    Dort, wo Menschen im Laufe der Geschichte reichhaltige Bodenschätze fanden, entstanden meist nicht nur Siedlungs- sondern auch Wirtschaftsorte. Standen ferner noch ausreichend Wasserkraft und Holz zur Verfügung, dann „entwickelten sich regelrechte Montanregionen, als Wirtschaftsgebiete, die durch den Bergbau dominiert wurden“ (Bluma / Farrenkopf / Przigoda [2018], S. 57). In der longue durée der europäischen Geschichte fällt dabei zwar auf, dass mit dem Zerfall des römischen Reichs auch ein Rückgang bergbaulicher Produktion einherging, bis sie gen 900 auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt war. Die bergmännischen Aktivitäten nahmen jedoch schon im 10. Jh. wieder merklich zu, sodass sich schon im 12. Jh. eine konjunkturelle Hochphase des Bergbausektors abzeichnet. Mit der zunehmenden Schriftlichkeit des Spätmittelalters lässt sich der so umrissene Wandel von Montanregionen dann im Detail untersuchen.

    Das Seminar wird eben das tun bzw. exemplarisch auf eine der bedeutendsten Bergbaureviere des Spätmittelalters, den Oberharz, blicken und sich dabei auf die verschiedensten Quellen konzentrieren, die infolge des Bergbaus entstanden sind (zunächst Bergrechte, später Lagerisse und Bergamtsprotokolle). Dabei wird die Lehrveranstaltung den Zeitraum vom 12. bis zum 17. Jh. abdecken. Zu begründen ist dies damit, dass auf die oben beschriebene Expansion des Bergbaus als Wirtschaftszweig im 14./15. Jh. einer Phase der Depression folgte. Im Übergang zur Frühen Neuzeit durchlebte das historische Montanwesen hingegen (abermals) einen sichtlichen Wandel, den es zu untersuchen lohnt; hier soll der Schwerpunkt des Themas liegen. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Studierende und setzt eigenständiges Arbeiten sowie Bereitschaft zur intensiven Quellenlektüre voraus. Eine aktive und regelmäßige Teilnahme am Seminar wird erwartet und ist fester Bestandteil der Studienleistung.


    Literatur: Kaufhold, Karl Heinrich (Hg.), Bergbau und Hüttenwesen im und am Harz, Hannover 1992; Bartels, Christoph, Vom frühneuzeitlichen Montangewerbe zur Bergbauindustrie, Bochum 1992; Seger-Glocke, Christine (Hg.), Auf den Spuren einer frühen Industrielandschaft, Hameln 2000; Fessner, Michael / Friedrich, Angelika / Bartels, Christoph, „gründliche Abbildung des uralten Bergwerks“, Bochum 2002; Gerhard, Hans-Jürgen / Kaufhold, Karl Heinrich / Westermann, Ekkehard (Hgg.), Europäische Montanregion Harz, Bochum 2002; Rasch, Manfred (Hg.), Harz – Eine Montanregion im Wandel, Essen 2008; Westermann, Angelika / Westermann, Ekkehard (Hgg.) / Pahl, Josef (Mitw.), Wirtschaftslenkende Montanverwaltung - Fürstlicher Unternehmer - Merkantilismus, Husum 2009; Tenfelde, Klaus / Berger, Stefan / Seidel, Hans-Christoph (Hgg.), Geschichte des deutschen Bergbaus Bd. 1, Münster 2012; Lampe, Wolfgang / Langefeld, Oliver  (Hgg.), ,,Gottlob, der Durchschlag ist gemacht”, Clausthal-Zellerfeld 2014; Langefeld, Oliver / Ließmann, Wilfried  (Hgg.), ,,Die Wasser hoch halten…” Wasserwirtschaft im Bergbau, Clausthal-Zellerfeld 2018.

  • "Kulturhistorischer Grundriss der mittelalterlichen Rechtsgeschichte. Von den römischen Digesten zur humanistischen Jurisprudenz (10.-16. Jh.)" (Vertiefungsseminar, SoSe 2022)

    „Die Rechtsgeschichte als Lehre kann sich nicht mit Daten begnügen. Es wäre wenig sinnvoll, Ereignisketten darzustellen. Sie hat vielmehr «eine» Geschichte, d.h. eine sinnvolle Aussage über Geschehenes zu bilden. Also muss sie «verdichten», d.h. sie muss Einzelereignisse zu «einem» Geschehen zusammenfassen. Sie kann dann Aussagen allgemeiner Art machen“ (Marcel Senn [1997], S. 1). Eine derart verstandene Rechtsgeschichtelehre, die die mittelalterliche Geschichte fokussiert, umfasst ein breites Themenspektrum. Es reicht von den römischen Digesten bis zur humanistischen Jurisprudenz. Damit stehen die Grundlagen der deutschen Rechtsentwicklung im Hochmittelalter ebenso zur Diskussion, wie der grundlegende Wandel der gelehrten Juristerei im Spätmittelalter und der beginnenden Frühen Neuzeit. Mit dieser Gesamtschau zeigt das Seminar zwar einen kulturhistorischen Grundriss der mittelalterlichen Rechtgeschichte auf, der Fokus liegt aber auf dem 15. und 16. Jahrhundert. Denn im Verlauf der beiden Jahrhunderte wurde aus gelehrter Rechtstheorie alltägliche Rechtspraxis.

    Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Studierende und setzt eigenständige Themenarbeit sowie Bereitschaft zur intensiven Quellenlektüre (inkl. Transkription) voraus. Nach einer Vorbesprechung und Einführung ins Thema am 29.04. beginnt der wöchentliche Turnus der Veranstaltung am 13.05.2022. Dabei wird der kulturhistorische Grundriss der mittelalterlichen Rechtsgeschichte in drei große, aufeinander aufbauende Blöcke geteilt: Die Grundlagen (10.-15.Jh.), die Krise (15.Jh.) und die Erneuerung der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit (16.Jh.). Dieser Überblick der mittelalterlichen Rechtsentwicklung wird durch exemplarische Quellenarbeit einer ausgewählten Reichskammergerichtsakte ergänzt, die in Form einer Blockveranstaltung am 09.07.2022 (ca. 09:00-16:00h) durchgeführt wird. Die Teilnahme an diesem Sondertermin ist verpflichtender Bestandteil der Lehrveranstaltung. Eine aktive und regelmäßige Teilnahme am Seminar wird vorausgesetzt.


    Literatur: Coing, Helmut, Epochen der Rechtsgeschichte in Deutschland, 3. Aufl. München 1976; Senn, Marcel, Rechtgeschichte – ein kulturhistorischer Grundriss, Zürich 1997; Köbler, Gerhard, Deutsche Rechtsgeschichte. Ein systematischer Grundriss, 6 Aufl. München 2005; Kroeschell, Karl / Cordes, Albrecht / Nehlsen-von Stryk, Karin, Deutsche Rechtsgeschichte Bd. 2: 1250-1650, 9. Aufl. Köln 2008; Willoweit, Dietmar, Deutsche Verfassungsgeschichte – Vom Frankenreich bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, 6. Aufl. München 2009.

  • "Vorsicht Drachen! Mit Kartenquellen durchs Mittelalter" (Basisseminar, SoSe 2022)

    Egal ob mappae mundi, Portulane oder Augenscheine: Mittelalterliche Kartenbilder faszinieren allein schon aufgrund ihrer Alterität. In der Zusammenschau der überlieferten Bildquellen blickt der Historiker dabei nicht nur auf verschiedenste Formen der Weltdarstellung, hier und da wird er auch mit verschiedensten Mythen oder Fabelwesen konfrontiert. Etwa wenn er, mit Blick auf die unbekannte Regionen der damaligen Welt, vor Drachen gewarnt wird (hic sunt dracones). Aus gegenwärtiger Perspektive mutet das zwar kurios an. Aber gerade wegen solcher Details sind mittelalterliche Kartenquellen viel mehr als einfach nur bildliche Überbleibsel einer scheinbar fernen Epoche. Denn das mit und in ihnen überlieferte Wissen reicht nicht nur bis in die Antike, zu den Ursprüngen der Astronomie zurück, es wirkt mit den Anfängen der ‚wissenschaftlichen‘ Geographie auch bis heute fort; beispielsweise in Form der sogenannten Mercator-Projektion.

    Das Seminar gibt einen Überblick über die Kartographiegeschichte der Vormoderne und dient der Einführung in die mittelalterliche Geschichte. Da sich die verschiedenen Kartenquellen des Mittelalters prägnant voneinander unterscheiden (sowohl in Bezug auf den dargestellten Inhalt, ihre jeweilige Intention bzw. Funktion sowie auch bezüglich ihrer Zielgruppe), sollen sie zunächst einzeln betrachtet und inhaltlich erschlossen werden. Dabei bieten die entsprechenden Eigenarten der einzelnen Kartentypen verschiedenste Streifzüge durch die großen Themenfelder der Mediävistik an. Insgesamt entsteht so ein kulturgeschichtlicher Abriss der mittelalterlichen Welt. Da sich die Veranstaltung vornehmlich an Studienanfänger richtet, wird parallel zum Seminarthema Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt, das in einem seminarbegleitenden Tutorium vertieft wird.


    Literatur: Kreuer, Werner (Bearb.), Tabulae Mundi – Frühe historische Kartentafeln bis zum Beginn der Neuzeit, Essen 2004; Recker, Gabriele, Gemalt, gezeichnet und kopiert – Karten in den Akten des Reichskammergerichts, Wetzlar 2004; Schneider, Ute, Die Macht der Karten – Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute, Darmstadt 2004; Baumgärtner, Ingrid / Kugler, Hartmut (Hg.), Europa im Weltbild des Mittelalters – Kartographische Konzepte, Berlin 2008; Baumgärtner, Ingrid / Stercken, Martina (Hg.), Herrschaft verorten – Politische Kartographie im Mittelalter und der frühen Neuzeit, Zürich 2012; Laux, Stephan / Schmidt, Maike (Hrsg.), Grenzraum und Repräsentation – Perspektiven auf Raumvorstellungen und Grenzkonzepte in der Vormoderne, Trier 2019; Marx-Jaskulski, Katrin / Wenz-Haubfleisch, Annegret (Hrsg.), Pragmatische Visualisierung –  Herrschaft, Recht und Alltag in Verwaltungskarten, Marburg 2020.

  • "Umweltkatastrophe und Schriftlichkeit. Die Verwaltung spätmittelalterlicher Städte zwischen (Re-)Organisation und (Neu-)Entstehung am Beispiel des Basler Erdbebens von 1356" (Basisseminar, SoSe 2021)

    Am 18. Oktober des Jahres 1356 zerstörten ein Erdbeben und der darauffolgende Brand einen großen Teil der Stadt Basel. Unter Seismologen gilt die Katastrophe „als eines der stärksten Beben, die sich in historischer Zeit nördlich der Alpen ereignet haben“, denn „es richtete innerhalb eines Umkreises von 50 bis 70 km erhebliche Schäden an“ (W. Meyer [1990], S. 162). Während sich die Bevölkerung schnell von dem Schock erholte, muss die Forschung bedauernd zur Kenntnis nehmen, dass bei diesem Erdbeben das Archiv der städtischen Kanzlei niederbrannte und damit ein Löwenanteil der dort lagernden Dokumente verloren ging. 

    Das wenige Monate nach dem Erdbeben neu angelegte Rote Buch der Stadt Basel berichtet: »Man sol wissen, daz dise stat von dem ertpidem zerstöret und zerbrochen wart, und beleib enhein kilche, turne noch steinin hus, weder in der stat noch in den vorstetten gantz, und wurdent grösseclich zerstöret…« (StABS ÄHA Ratsbücher A1, hier entspr. Basler Chroniken IV. Nr. I, S. 17 zitiert). Insgesamt ist die schriftliche Überlieferung des Ereignisses jedoch wenig konkret, womit es nicht unmittelbar zur Diskussion steht. Präziser lässt sich im Nachgang der Katastrophe die Entstehung des Basler Archivs bzw. die Binnendifferenzierung mittelalterlicher Amts- und Stadtbücher beobachten. Damit steht nicht nur die Verwaltung spätmittelalterlicher Städte zwischen (Re-)Organisation und (Neu-)Entstehung zur Diskussion. Daneben lädt der Zugriff auf die Basler Stadtgeschichte auch zu verschiedensten Streifzügen durch die großen Themenfelder der Mediävistik ein (circa 1356-1501).

    Da sich die Veranstaltung vornehmlich an Studienanfänger richtet, dient der exemplarische Zugriff v.a. der allgemeinen Einführung in die mittelalterliche (Stadt-)Geschichtsforschung. Dementsprechend wird die Veranstaltung durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt und einzelne Teilaspekte des Seminars vertieft.


    Literatur: HEUSLER, Andreas, Verfassungsgeschichte der Stadt Basel im Mittelalter, Basel 1860; DERS., Andreas, Geschichte der Stadt Basel, 5. Aufl. Basel 1957; WACKERNAGEL, Rudolf, Geschichte der Stadt Basel, 3 Bde. (in 4 Teilen), Basel 1907-1924; BRUCKNER, Albert, Zur älteren Geschichte des baslerischen Archivwesens, in: Sieber, Marc (Hg.), Discordia Concors Bd. II, Basel / Stuttgart 1968, S. 565-589; HAGEMANN, Hans-Rudolf, Basler Rechtsleben im Mittelalter, 2 Bde., Basel 1981/1987; Wechsler, Elisabeth, Das Erdbeben von Basel 1356, Zürich 1987; KREIS, Georg / WARTBURG, Beate von (Hgg.), Basel. Geschichte einer städtischen Gesellschaft, Basel 2000; SLANIČKA, Simona (Hg.), Begegnungen mit dem Mittelalter in Basel. Eine Vortragsreihe zur mediävistischen Forschung, Basel 2000; Meyer, Werner, Da verfiele Basel überall, Basel 2006; Staehelin, Andreas, Die Geschichte des Staatsarchivs Basel, Basel 2007.

  • "Ad fontes: analog und digital. Städtische Überlieferung des Spätmittelalters" (Vertiefungsseminar, WiSe 2020/21)

    Seit knapp 20 Jahren lädt nun das an der Universität Zürich beheimatete und laufend aktualisierte Projekt „Ad fontes“ (www.adfontes.uzh.ch) online zur Einführung in den Umgang auch mit mittelalterlichen Quellen ein. Auf diesen Pionier im Bereich der digitalen, mediävistischen Quellenkunde sind mittlerweile zahlreiche, mehr oder weniger langlebige, ähnlich geartete Versuche gefolgt, die mit wechselndem Erfolg ebenfalls das namensgebende Ideal des Züricher Projektes anstrebten: die Rückkehr zu den Quellen. Dass besagte Rückkehr nur über den Umweg der digitalen Aufbereitungs- und Übersetzungsleistung erfolgte, war den Projektideen dabei stets inhärent. Im Kontrast dazu sind Studierende der mittelalterlichen Geschichte in der alltäglichen Praxis des Studiums bei der Quellenarbeit oftmals lediglich mit Editionen zeitgenössischer Quellen konfrontiert. Nicht zuletzt aus Gründen der physischen, sprachlichen und fachlichen Zugänglichkeit, steht somit auch hier zwischen dem überlieferten Original und der zu konsumierenden und interpretierenden Quelle eine Übersetzungsleistung.

    Eben jener Problematik wollen wir uns im Seminar intensiv widmen. Einerseits sollen die Möglichkeiten des digitalen Quellenzugriffs (via Online-Recherche in Archiven oder Online-Einführung in die Quellekunde, wie z. B. „Ad fontes“) gesichtet, erprobt und diskutiert werden. Andererseits soll der facettenreiche Zugriff auf die Überlieferung via Editionen, Faksimile und nicht zuletzt auch archivalischer Quellen durchgeführt und kritisch hinterfragt werden. Ziel ist es, die individuellen Grenzen und Möglichkeiten der digitalen und analogen Quellenarbeit auszuloten und in diesem Zuge das quellenkritische Rüstzeug der angehenden HistorikerInnen und Geschichtslehrkräfte weiterzuentwickeln. Thematisch wird dabei auf die vielgestaltige und umfangreiche städtische Überlieferung des Spätmittelalters zurückgegriffen.


    Literatur: Boeselager, Elkre Frfr. von, Schriftkunde, Hannover 2004; Kümper, Hiram, Materialwissenschaft Mediävistik. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, Paderborn 2014; Muhlack, Ulrich, Leopold von Ranke und die Begründung der quellenkritischen Geschichtsforschung, in: Elvert, Jürgen / Krauß, Susanne (Hg.), Historische Debatten und Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 2003, S. 23-33.

  • "Rudolf von Habsburg: Die Rückkehr des Königs" (Vertiefungsseminar, SoSe 2019)

    „Könige kleiner Königreiche kämpften miteinander, und die junge Sonne schien wie Feuer auf das rote Metall ihrer neuen und ruhmsüchtigen Schwerter. Es gab Siege und Niederlagen; und Türme fielen, Festungen sanken in Schutt und Asche und Flammen stiegen zum Himmel auf.“

    Auf den ersten Blick haben diese Zeilen aus J.R.R. Tolkiens ‚Der Herr der Ringe‘ (Bd. I., S. 150/151) wenig gemein mit dem Bild des Mittelalters, das die Forschung zeichnet; zu fantastisch, beinahe apokalyptisch erscheint die Wortwahl des Autors. Liest man die Worte jedoch vor dem Hintergrund der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches im 13. Jahrhundert, sind die Parallelen zum sog. Interregnum augenfällig: In der mehrere Jahrzehnte währenden Phase (ca. 1250-1273) gab es zahlreiche schwache, nicht allgemein anerkannte Herrscher, die zum Teil im offenen Konflikt miteinander standen. Die sich parallel emanzipierenden Fürsten und Städte schwächten das spätmittelalterliche Königtum und Reich zusätzlich. Doch mit der Wahl Rudolfs von Habsburg im Jahr 1273 wurde dann vermeintlich alles besser; das Interregnum fand sein Ende – soweit zumindest das Urteil der älteren Forschung. Auch laut Friedrich Schiller war mit der Wahl des Habsburgers „ein Richter [...] wieder auf Erden. Nicht blind mehr waltet der eiserne Speer, nicht fürchtet der Schwache, der Friedliche mehr, des Mächtigen Beute zu werden.“

    Während die literarischen Urteile zu Rudolf von Habsburg oftmals deutlich positiv ausfallen, ist die neuere Forschung zur Rolle des Königs zwiegespalten. Zwischen der Einordnung unter die von den Fürsten installierten „kleinen Könige“ des späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts (Moraw) und der Einreihung unter die bedeutendsten europäischen Könige des Spätmittelalters (Krieger), hat sich mittlerweile eine Mischform dieser Narrative durchgesetzt. Dabei wird die energisch betriebene Reichspolitik des Königs einerseits anerkannt, andererseits aber auch darauf verwiesen, dass deren Ziele im Kontext der erstarkten Fürstentümer nicht mehr vollends erreicht werden konnten (Zotz). Im Seminar werden wir uns dementsprechend nicht nur mit der Person Rudolfs von Habsburg beschäftigen, sondern ebenso die großen strukturellen Entwicklungen des 13. Jahrhunderts in den Blick nehmen (Königswahl, Landesherrschaften, Städtewesen, etc.).

    Ziel der Veranstaltung soll es dabei zunächst sein, die Fähigkeit der Studierenden zu fördern, eigene Forschungsideen im Dialog mit den Lehrenden sowie den Mitstudierenden zu entwickeln. Des Weiteren soll auf diesen Dialog noch im Seminar die schriftliche Umsetzung der Forschungsidee folgen. Das heißt: Das Verfassen einer schriftlichen Ausarbeitung (zur ‚eigenen‘ Forschungsfrage) sowie die Präsentation der Ergebnisse im Rahmen des Seminars ist noch während der Vorlesungszeit vorgesehe.

  • "Influencer und "Global Player"? Die Staufer im 13. Jahrhundert" (Vertiefungsseminar, WiSe 2018/19)

    Als König Wilhelm II. im Jahr 1189 starb, schied auch der letzte männliche Nachkomme König Rogers II. von Sizilien aus der Erbfolge des Königreichs aus. Stattdessen übernahm die Tochter Rogers II., Konstanze von Sizilien, gemeinsam mit ihrem Ehemann,dem römisch-deutschen König und Kaiser Heinrich VI. aus dem Geschlecht der Staufer, die Herrschaft über Sizilien und das Reich. Unter deren Sohn und Nachfolger, Friedrich II., wurde die Verbindung zwischen römisch-deutschem Königtum und sizilischer Herrschaft dann reaktiviert und intensiviert. Kurzum: Die historische Kontingenz von Ereignissen (die Heirat von Heinrich und Konstanze, der frühe Tod ihrer erbberechtigten Brüder) und Strukturen (mittelalterliche Herrschaftsformen und Erbrecht) hatte Konsequen zen zur Folge, die die Geschichte des Reichs im 13. Jahrhundert prägen sollten. Die Chancen und Möglichkeiten der Verbindungvon römisch-deutschem Königtum und sizilischer Herrschaften bildeten einerseits den Rahmen für die vermeintlich letzte Sternstunde des mittelalterlichen Königtums. Andererseits rief der Griff zur Hegemonialmacht die Herrschaftskonkurrenz auf den Plan undtrug zum Ende der staufischen Herrschaft bei. Im Seminar werden wir uns dementsprechend einführend mit den Ursprüngen undder frühen Geschichte der Staufer beschäftigen, um mithilfe der großen strukturellen Entwicklungen des Mittelalters die Spezifik derUmbruchszeit des 13. Jahrhunderts vertiefend zu behandeln.

    Ziel der Veranstaltung soll es dabei zunächst sein, die Fähigkeit der Studierenden zu fördern, eigene Forschungsideen im Dialogmit den Lehrenden sowie den Mitstudierenden zu entwickeln. Des Weiteren soll auf diesen Dialog noch im Seminar die schriftlicheUmsetzung der Forschungsidee folgen. Das heißt: Das Verfassen einer schriftlichen Ausarbeitung (zur ‚eigenen‘ Forschungsfrage)sowie die Präsentation der Ergebnisse im Rahmen des Seminars ist noch während der Vorlesungszeit vorgesehen.

  • "Altes, Neues, Geniales: Entstehung und Folgen der Schriftkultur" (Vertiefungsseminar, SoSe 2018)

    Es gibt kaum ein anderes Wortpaar, das so viele verschiedene geisteswissenschaftliche Fachdiskurse (mit-)geprägt hat, wie das der „Mündlichkeit und Schriftlichkeit“. Zwar haben sich Historiker, Anthropologen, Germanisten und Ethnologen gleichermaßen für die Entstehung der Schriftkultur sowie die Bedeutung von Schrift interessiert. Doch habe man den tiefgreifenden Folgen dieser Entwicklung nach J. Goody „erstaunlich wenig Aufmerksamkeit gewidmet“. Da man das Vorhandensein von Literalität meist als selbstverständlich vorausgesetzt habe, sei die konstitutive Bedeutung des Themas oftmals nicht erkannt worden.

    Wie auch? Ist doch die Abstraktionsleistung, die zur Erfindung der Schrift nötig und an bestimmte soziale Voraussetzungen geknüpft ist, heute, in einer europäischen Zivilisation, die von der Vollendung der Schriftlichkeit geprägt ist, schwer verständlich. „Wir reden zwar, aber wir leben in keiner mündlichen Kultur mehr“, schreibt H. Schlaffer plakativ in der Einleitung zu Goody‘s Ausführungen. In unseren Augen Grund genug, um sich mit „Entstehung und Folgen der Schriftkultur“ (Frankfurt a. M. 1986) bzw. den Ausführungen von Jack Goody, Ian Watt und Kathleen Gough auseinanderzusetzen. So lädt das dem Seminar zugrundeliegende Werk nicht nur zur Selbstreflektion eines breiten Berufsstandes ein, sondern regt auch zum Nachdenken über das alltägliche Lesen und Schreiben an. Des Weiteren ergibt sich in diesem Fall anhand der nicht klassisch geschichtswissenschaftlichen Ausführungen (keiner der genannten Autoren ist Historiker) eine spannende Erweiterung des fachspezifischen Diskurses. Demensprechend richtet sich das Seminar ausschließlich an Studierende in der Masterphase: Nicht nur an angehende Fachwissenschaftler, sondern auch an Lehramtsstudierende.

     Grundlegende Idee des Seminars ist dabei die eines Lektüreseminars in dessen Mittelpunkt ein einziger Text steht. Schritt für Schritt werden wir dabei im Laufe des Semesters die einzelnen Kapitel lesen, diskutieren und die zentralen Inhalte im Plenum erörtern. Ziel des Seminars soll es darüber hinaus sein, gemeinsam eine kritische, schriftliche Zusammenfassung des zugrundeliegenden Werkes zum Zwecke einer Online-Veröffentlichung zu produzieren (vgl. Hist. Seminar online »Altes Neues Geniales« [Folkens / Kaune]).

  • "Who the fuck is Manfred? Forschungsseminar zum Interregnum" (Vertiefungsseminar, WiSe 2017/18)

    Der Tod des letzten großen Staufers, Friedrich II., im Jahre 1250 hinterließ ein über zwei Jahrzehnte andauerndes Machtvakuum, das eine allgemeine Unsicherheit in Hinblick auf die Zentralgewalt des Mittelalters nach sich zog. Das sogenannte „Interregnum“ (ca. 1250-1273) läutet dabei einen entscheidenden Entwicklungsprozess der deutschen Geschichte ein: Von den glorreichen, hochmittelalterlichen Zeiten staufischer Kaiserhoheit zur Krise des Spätmittelalters. Eine Aneinanderreihung schwacher, nicht allgemein anerkannter Herrscher sowie sich emanzipierende Fürsten und Städte schwächen das spätmittelalterliche Königtum und Reich gleichermaßen. Letzteres beginnt zu zersplittern und sich in kleine bzw. kleinere Herrschaftsbereiche zu gliedern. „Eine Übergangsphase zum Schlechteren!“ – soweit zumindest die ältere Forschung.

    Diese pauschalisierenden Urteile sind derart fragwürdig, dass sich die neuere Forschung um deren Dekonstruktion bemüht. Im Seminar wollen wir uns in diesen spannenden Diskurs einreihen und aus dem Kontrast zwischen historischen Prozessen und deren Wertung  kritische Fragestellungen zum Thema ableiten. Ziel der Veranstaltung soll es dabei einerseits sein, die Fähigkeit der Studierenden zu fördern, eigene Forschungsideen im Dialog mit den Lehrenden sowie den Mitstudierenden zu entwickeln. Andererseits soll auf diesen Dialog noch im Seminar die schriftliche Umsetzung der Forschungsidee folgen. Das heißt: Das Verfassen einer schriftlichen Ausarbeitung (zur ‚eigenen‘ Forschungsfrage) ist noch während der Vorlesungszeit vorgesehen und gipfelt gen Ende selbiger in einer kurzen Abschlusspräsentation.

  • "descriptio urbis basileae. Stadt und Stadtrecht am Beispiel Basels (14. / 15. Jh.)" (Basis-Seminar, WiSe 2017/18)

    Wie bei so vielen europäischen Städten, reichen auch die Anfänge von Basels Geschichte in römische Zeit zurück: 374 n.Chr. wird der Ort, an dem die heutige Metropole am Rhein liegt, anlässlich des Besuches Kaiser Valentinians I. erstmals erwähnt. Eine Periode des Wachstums und großzügiger Stadterweiterungen beginnt in der Bischofsstadt parallel zu vielen anderen Orten im Reich jedoch „erst“ um die Jahrtausendwende. Während die Stadtbewohner des 12. / 13. Jahrhunderts dann entscheidende Impulse zur (u.a. rechtsgeschichtlichen) Stadtentwicklung gaben, entfalteten sich spätestens im 14. / 15. Jh. „Handwerk und Handel“ (v.a. die Zünfte) sowie „Politik“ (d.h. der Rat sowie dessen Gerichtsbarkeit) in zunehmender Unabhängigkeit von der bischöflichen Herrschaft. Der 13. Juli 1501 markiert dann einen markanten Wendepunkt in der Geschichte der Stadt: Mit dem Beitritt Basels zur Eidgenossenschaft beginnt der Prozess der Loslösung vom Heiligen Römischen Reich.

    Da sich die Veranstaltung vornehmlich an Studienanfänger richtet, soll „die Stadtgeschichte Basels“ sowohl zeitlich, als auch thematisch beschränkt werden. Einerseits soll vor allem die oben angedeutete Entwicklung des Stadtbürgertums in den Blick genommen werden, sodass das 14. und 15. Jahrhundert in den Schwerpunkt der Betrachtung rücken. Andererseits lässt sich diese Entwicklung i.d.R. besonders prägnant an den Rechtsquellen jener Zeit nachzeichnen, sodass der rechtsgeschichtliche Zugang zum Thema den Schwerpunkt der Veranstaltung bildet. Über diese Einschränkungen hinaus lädt die Thematik zu verschiedensten Streifzügen durch die großen Themenfelder der Mediävistik ein. Des Weiteren wird die Veranstaltung durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt und einzelne Teilaspekte des Seminars vertieft.

  • "Altes, Neues, Geniales: Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote" (Vertiefungsseminar, SoSe 2017)

    „Die moderne Fußnote ist für das zivilisierte Historikerleben so unentbehrlich wie die Toilette; wie die Toilette scheint sie ein undankbares Thema für ein kultiviertes Gespräch und erregt sie Aufmerksamkeit vor allem dann, wenn sie nicht richtig funktioniert. Wie die Toilette macht es die Fußnote möglich, sich unansehnlicher Aufgaben quasi im stillen Kämmerlein zu entledigen […]“1

    Als eines der ersten Folterinstrumente, das den Studierenden beim Eintritt in die Historischen Seminare der Bundesrepublik präsentiert wird, ist die Fußnote im Studium allgegenwärtig. Wieder und wieder wird in Tutorien und Seminaren das Wann und Wie dieses historischen Handwerkszeug erläutert, Dozierende verteilen oftmals handliche „How-To“-Merkzettel in der Hoffnung, dass Selbige auch benutzt, ja zumindest wahrgenommen werden; sprich: es führt kein Weg vorbei am stillen Kämmerlein des Historikers. Obwohl Anthony Grafton – freilich mit einer gehörigen Portion Understatement – die Fußnote also als undankbares Thema für ein kultiviertes Gespräch bezeichnet, wollen wir dennoch den Versuch wagen, uns in gemeinsamer Lektüre und Diskussion innerhalb des Seminars diesem zentralen Gegenstand des historischen Arbeitens zu widmen. Da sich die Fußnote über den engeren Rahmen der fachwissenschaftlichen Publikationen hinaus bereits auf digitale Medien wie etwa Wikipedia ausgebreitet hat und hier gerne als intuitiver Gradmesser für „vertrauenswürdige“ Inhalte betrachtet wird, lädt das zugrundeliegende Werk nicht nur zur Selbstreflektion eines breiten Berufsstandes ein, sondern regt auch zum Nachdenken über das alltägliche Lesen und Schreiben ein. Demensprechend richtet sich das Seminar nicht nur an angehende Fachwissenschaftler, sondern gezielt auch an Lehramtsstudierende. Grundlegende Idee des Seminars ist dabei die eines Lektüreseminars in dessen Mittelpunkt ein einziger Text steht. Schritt für Schritt werden wir dabei im Laufe des Semesters die einzelnen Kapitel lesen, diskutieren und die zentralen Inhalte im Plenum erörtern. Ziel des Seminars soll es darüber hinaus sein, gemeinsam eine kritische, schriftliche Zusammenfassung des zugrundeliegenden Werkes zum Zwecke einer Online-Veröffentlichung zu produzieren (Vgl. Hist. Seminar online »Altes Neues Geniales« [Folkens / Kaune])

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    1 Grafton, Anthony: Die tragischen Ursprünge der deutschen Fußnote (aus d. Engl. übers. v. H. Jochen Bußmann), Berlin 1995, S. 18/19.

  • "des heiligen Romischen richs, daz leider an allin enden zerrissen virfallin und entwert ist: Die Reichsreformen des späten Mittelalters" (Basis-Seminar, WiSe 2016/17)

    Während das Interregnum (1250-1273) eine allgemeine Unsicherheit in Hinblick auf die Zentralgewalt des Mittelalters hinterließ, folgte auf das große Schisma (1378-1417) theologische Orientierungslosigkeit im Abendland.  Seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts treten somit immer mehr Schriften auf, die reformatorische Gedanken sowohl zum Reich als auch zur Kirche zur Diskussion stellen. Gleich zu Beginn seiner Regierung, am 30. Januar 1412, spricht König Sigmund somit von „des heiligen Romischen richs, daz leider an allin enden zerrissen virfallin und entwert ist“ (DtRTA Ä.R. VII, Nr. 125) und gibt damit den entscheidenden Anstoß zur Reichsreform (Angermeier). Zwar war „die (große) Reichsreform“ stets ein zentrales Schlagwort, ja sogar Mittel der spätmittelalterlichen Politik gewesen, doch lässt sie sich zeitlich vor allem im 15. Jahrhundert greifen. Ihren Höhepunkt fand die Reichsreform dann am Ende des Jahrhunderts auf dem Reichstag zur Worms 1495.

    Da sich die Veranstaltung vornehmlich an Studienanfänger richtet, soll das komplexe rechtsgeschichtliche Thema der Reichsreformen des späten Mittelalters auf den Zeitraum vom abendländischen Schisma bis zur Regierung Maximilians I. beschränkt werden (ca. 1400-1500). Im Fokus des Seminars stehen somit vor allem die Herrschaftszeiten Sigmunds und Friedrichs III., doch lädt das Thema darüber hinaus zu verschiedensten Streifzügen durch die großen Themenfelder der Mediävistik ein. Des Weiteren wird die Veranstaltung durch ein obligatorisches Tutorium ergänzt, das Basiswissen des wiss. Arbeitens vermittelt und einzelne Teilaspekte des Seminars vertieft.

  • "Altes, Neues, Geniales: Im Weinberg des Textes" (Vertiefungsseminar, WiSe 2016/17)

    „Dieses Buch erinnert an die Aufkunft des scholastischen Lesens. Es erzählt, wie ein Kulturverhalten entstanden ist … Achthundert Jahre lang hat dieses Verhalten die Einrichtung westlicher Bildungsinstitutionen gerechtfertigt. Die universale Liebe zum Buch wurde zum Kern der westlichen säkularen Religion, Unterricht wurde zu ihrer Kirche. Heute ist die westliche Gesellschaft diesem Glauben an das Buch entwachsen, … [sodass es] längst nicht mehr die wichtigste Grundlage des Bildungswesens [ist]. … Medien und Kommunikation, der Bildschirm haben die Buchstaben, die Buchseite und das Buchlesen verdrängt. Darum beschäftige ich mich hier mit dem Beginn der Bibliophilie, denn diese Epoche geht jetzt zu Ende.“

    Mit diesen Worten leitet Ivan Illich sein 1991 erstmals erschienenes, und jüngst neu aufgelegtes Werk „Im Weinberg des Textes – Als das Schriftbild der Moderne entstand (Ein Kommentar zu Hugos »Didascalicon« ein. Hierin präsentiert Illich dem Leser die Entstehung des Schriftbildes der Moderne und somit eine Kulturgeschichte des Buches. Da entgegen dem vom Illich 1991 vorausgesagten Ende der Epoche der Bibliophilie die Buchlektüre auch 2016 noch ihren festen Platz nicht nur an den Universitäten hat, lädt das Werk zur Selbstreflektion eines breiten Berufsstandes ein. Das Seminar richtet sich daher nicht nur an angehende Fachwissenschaftler sondern gezielt auch an Lehramtsstudierende. Methode und grundlegende Idee der Veranstaltung sind die eines klassischen Lektüreseminars, in dessen Fokus stets nur ein einziger Text steht. Im Wesentlichen widmet sich das Seminar im Verlauf des Semesters somit fokussiert der gemeinsamen Lektüre eines Werkes. Schritt für Schritt sollen die einzelnen Kapitel (im Blockseminartakt) diskutiert und die zentralen Inhalte im Plenum erörtert werden. Ziel des Seminars soll es darüber hinaus sein, gemeinsam eine kritische, schriftliche Zusammenfassung des zugrundeliegenden Werkes zum Zwecke einer Online-Veröffentlichung zu produzieren (Vgl. Hist. Seminar online »Altes Neues Geniales« [Folkens / Kaune]:

  • "Multimedia auch mal jenseits von PowerPoint kennen und anwenden lernen? Arbeiten mit dem ‚Adobe Director‘" (Schlüsselkompetenz-Seminar, WiSe 2016/17)

    Nach dem Siegeszug historischer Dokumentationen für das Fernsehen und für den PC gehört deren Präsentation im Hochschulunterricht seit Jahrzehnten zum Standard. Während dasselbe für die inzwischen ebenfalls obligatorischen digitalen Präsentationstechniken von Texten und Bildern - wie z.B. mit PowerPoint - gilt, bilden echte, also nicht-lineare Multimedia-Präsentationen eigener Produktion eher die Ausnahme. Und das obwohl die in diesem Seminar vermittelten EDV-Multimedia-Schlüsselqualifikationen (Verknüpfung von Schrift, Ton, Bildern, Videos, animierten historischen Karten usw. zu einem Lern- und Informationsprogramm) sowohl im Schul- und Hochschulunterricht als auch in fast allen anderen Betätigungsfeldern für Historiker/innen eingesetzt werden können. Insbesondere im musealen Bereich sind diese Schlüsselkompetenzen nicht nur sehr nützlich, sondern als zentraler Teile des modernen Edutainment/Infotainment heutzutage geradezu unverzichtbar.

    Dieses Seminar richtet sich nicht nur an alle Studierenden im Fach Geschichte, sondern ganz generell an alle geisteswissenschaftlichen Disziplinen und findet in Form einer EDV-Übung im ITS-Pool am Schneiderberg statt. Auf einen allgemeinen Einstieg ins Programm »Adobe Director 12.0« („zum Mit-Klicken“) folgt eine offene Arbeitsphase, die mit Hilfestellung die Erarbeitung einer interaktiven multimedialen „Präsentation“ eines Themas eigener Wahl ermöglicht. Weniger geht es dabei um die die konkreten Inhalte eines Themas, sondern um den Umgang mit dem Programm und das Erstellen eines solchen „Director-Films“.

    Teilnahmevoraussetzung ist allein die Bereitschaft zur intensiven Mitarbeit; der erfolgreiche Abschluss des Seminars bzw. der Erwerb der Schlüsselkompetenz ist zwingend an die Produktion eines eigenen Director-Films (und im Fall des M.A. auch an die entsprechende schriftliche Ausarbeitung) gebunden. Vorkenntnis beim Programmieren oder dezidiertes Computer-„Fachwissen“ ist nicht von Nöten.