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Die Didaktik der Geschichte

beschäftigt sich als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft mit dem institutionellen historischen Lernen in Schule, Bildungsstätten und Hochschule sowie allgemein der Geltung vergangener Wirklichkeit in der Gesellschaft. Die Fachdidaktik versteht Geschichte dabei weder lediglich als Unterrichtsstoff noch als reine Wissenschaft, sondern als kulturelle Praxis, die uns alle angeht und ausmacht. Eingedenk der unhintergehbaren „Anwesenheit von Geschichte in unserer Lebenswelt“ ist sie in Forschung und Lehre zwar den großen Paradigmen der Kulturwissenschaft(en) verpflichtet: Sinn, Erinnerung, Bedeutung. Ihre zentrale Kategorie ist jedoch, seit mittlerweile fast vierzig Jahren, das Geschichtsbewusstsein als Zusammenhang von wahrgenommener Vergangenheit, erlebter Gegenwart und erwarteter Zukunft.

Die geschichtsdidaktischen Lehrveranstaltungen am Historischen Seminar bereiten in erster Linie auf den Unterricht des Faches Geschichte an Gymnasien (daneben auch an Förderschulen) vor. Thematisiert werden dafür die Theorien des historischen Lernens, kompetenzbasierte Modelle der Unterrichtsplanung, unterschiedliche Erzählhandlungen, qualifizierte Umgangsweisen mit relevanten Medien. Von Bedeutung sind ebenfalls die Professionalisierung von Geschichtslehrkräften sowie Verfahren der Qualitätssicherung, Diagnose und Evaluation von Lernprozessen. Immer wichtiger werden darüber hinaus, angesichts zunehmend heterogener Lerngruppen in unserer Einen Welt, Forschungen zur Rolle von Interkulturalität und diversity im Prozess des historischen Lernens. Mit Rücksicht auf die herausgehobene Stellung der Neuzeit in den Curricula aller Bundesländer setzt die Didaktik der Geschichte ihre inhaltlichen Schwerpunkte dabei auf die Zeit nach 1789, ganz besonders auf die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts (Stichworte: Weltkriege, Nationalsozialismus, Holocaust, Zweistaatlichkeit, Wiedervereinigung). In ausgewogener Weise kommen aber auch antike, mittelalterliche, frühneuzeitliche sowie, in sektoraler Hinsicht, sozial-, wirtschafts-, alltags- und geschlechtergeschichtliche Thematiken zum Tragen, und zwar in gesamteuropäischen bzw. globalen Perspektiven.

Andere, eher lebensweltlich ausgerichtete Lehrveranstaltungen befassen sich mit Theorie und Geschichte der Geschichtskultur, d.h. deren Dimensionen, Konzeptionen, Institutionen und Publika. Untersucht werden die Formen, Medien und Funktionen der historischen Erinnerung in interkultureller Perspektive, die Typen narrativer Sinnbildung und historischer Orientierung, die Modelle des kommunikativen, kollektiven, kulturellen Gedächtnisses, ausgewählte erinnerungskulturelle Objektivationen wie Museen, Film/Fernsehen, journalistische Erzeugnisse, digitale Zeitzeugenarchive, schließlich das Feld der „Public History“ sowie Ziele und Methoden der Erwachsenenbildung. In Hannover verfolgt die Geschichtsdidaktik insgesamt einen narrativistischen Erkenntnisansatz, d.h., sie definiert historisches Denken und Lernen als das Verstehen, Bilden und Darbieten von (historischen) Erzählungen. Ein besonderes Anliegen bleibt ihr daneben, Studierende zur empirischen Erforschung von Lehr-Lern-Prozessen im Unterricht und in der Gesellschaft zu befähigen. Orientierung dafür bieten die erprobten (quantitativen wie, mehr noch, qualitativen) Methoden der rekonstruktiven Sozialforschung, aber auch facheigene, insbesondere hermeneutische Verfahren.

Zur Erreichung ihrer Ziele ist die Geschichtsdidaktik an der LUH wie überall auf die Kooperation mit anderen Fachdidaktiken, vor allem der Sprachfächer, und den Bildungswissenschaften angewiesen. Dafür pflegt das Historische Seminar Beziehungen innerhalb der Philosophischen Fakultät (v.a. Didaktik Deutsch, Englisch, Romanistik), zu historischen Instituten im ganzen Bundesgebiet, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, mit Museen (z.B. Historisches Museum Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, Deutsches Historisches Museum Berlin), zu pädagogisch arbeitenden Stiftungen (z.B. „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, Niedersächsische Gedenkstätten, Visual History Archive des Shoah Foundation Institute/Los Angeles, Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung), zu Schulbuchverlagen und natürlich Schulen bzw. Ausbildungsstätten der Zweiten Phase sowie Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Hauptamtlich Lehrende


Hinweise und Empfehlungen für Studien- und Prüfungsleistungen im Fachbereich Geschichtsdidaktik